Wo ist Willy? – Auf der Suche nach Walen in Reykjavík, Island

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Einmal in meinem Leben Wale sehen – dieser Punkt befand sich schon seit längerem auf meiner Bucketlist. In Island hatte ich schließlich zum ersten Mal die Möglichkeit dazu, an einer Whale-Watching-Tour teilzunehmen. Dennoch zögerte ich. Wie wahrscheinlich war es, für sein Geld wirklich etwas geboten zu bekommen? Würde ich wirklich Wale sehen oder war die Wahrscheinlichkeit viel zu gering? Letzten Endes hat meine Hoffnung gesiegt und meine Freundin und ich haben eine dreistündige Tour dazu gebucht.

 

Life of Whales

Life of Whales ist eines der Whale-Watching-Unternehmen in Reykjavík. Die Ausflugsboote heißen „Andrea“ und „Express“. Wir waren mit der „Andrea“ unterwegs, sie ist das größte Whale-Watching-Boot in Reykjavíks Altem Hafen.

In den Sommermonaten von Mai bis September startet sie drei mal täglich zu Wal-, Delfin- und Papageitaucherbeobachtungen. In den Wintermonaten von Oktober bis März gibt es nur eine Fahrt am Tag, um die Polarlichter zu beobachten.

 

Das Briefing

Pünktlich wurden wir vom Transfer-Service abgeholt, das hat alles super geklappt. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, da wurden wir am Alten Hafen Reykjavíks direkt am Ausflugsschiff „Andrea“ raus gelassen. Hat man ein Hotel in der Stadtmitte, braucht man diesen Transfer eigentlich nicht – das kann man gut zu Fuß gehen.

Um an Bord zu gehen, musste man den Voucher vorzeigen. Da wir früh dran waren, hatten wir noch genug Zeit, uns einen geeigneten Platz zu suchen und das Schiff ein wenig zu erkunden.

Es gibt verschiedene Orte, wo man sich auf dem Schiff positionieren kann. Auf dem Oberdeck und auf der zweiten Ebene hinten gibt es Sitzgelegenheiten. Hier kann man sich auf der Hin- und Rückfahrt gut aufhalten. In der Whale-Watching-Zone selbst sitzt man in der Regel nicht, da will man ja schließlich Wale sehen bzw. finden. Dann ist vorne am Bug ein guter Ort, da er eine gute Rundumsicht zu allen Seiten bietet. Auf der zweiten Ebene befindet sich noch das sog. Titanic-Deck, der vorderste und höchste Punkt des Schiffes, wo es allerdings bei starkem Seegang sehr nass (und ein bisschen gefährlich) werden kann.

Wer es lieber gemütlicher mag, kann sich im Innern des Schiffes an einen der Tische mit Sitzbänken setzen und das Treiben draußen durch das Fenster beobachten. In der Whale-Watching-Area ist es dort allerdings weniger empfehlenswert, da ist die Sicht durch die Fenster nur eingeschränkt. Es gibt dort einen kleinen Kiosk, wo man Getränke, Snacks und verschiedene Souvenirs (bis ca. eine halbe Stunde vor Fahrtende) kaufen kann.

Die Fahrt dauert in etwa drei Stunden, allerdings nimmt es je ungefähr 20 Minuten Zeit in Anspruch, bis das Schiff die Whale-Watching-Area erreicht hat. Auf dem Weg dort hin erklärte uns eine Meeresbiologin, die den Ausflug begleitete, einige allgemeine Dinge auf Englisch und auf Deutsch. Sie gab uns ein kurzes Briefing bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen und der Vorgehensweise, wenn Wale gesichtet werden sollten. Während sie uns mehr über die Wale erzählte, entfernten wir uns immer weiter von Reykjavík.

An Bord noch sehr wichtig ist das Prinzip, nach dem die Wal- und Delfinsichtungen mitgeteilt werden. Das wird auf sämtlichen Whale-Watching-Touren weltweit gleich gehandhabt. Man stellt sich dabei das Schiff als Uhr vor: in Richtung des Bugs (vorne) bedeutet zwölf Uhr, Heckrichtung (hinten) sechs Uhr. Steuerbord (in Fahrtrichtung rechts) ist drei Uhr, Backbord (in Fahrtrichtung links) neun Uhr. Alle Angaben zu den Sichtungen folgen diesem Prinzip, sodass man immer gleich weiß, in welche Richtung man schauen muss.

Bei sehr rauem Wetter werden kostenfreie Overalls zur Verfügung gestellt. Die können wirklich hilfreich sein, denn selbst bei gutem Wetter kann es auf hoher See sehr windig und sehr kalt werden. Wir hatten am Morgen gutes Wetter in Reykjavík, dennoch habe ich auf hoher See eine Mütze, Handschuhe, einen Schal und zwei Jacken übereinander nach dem Zwiebelprinzip gut gebrauchen können. Man muss sich hier immer warm anziehen, zumal das Wetter in Island von einem auf den nächsten Moment umschwenken kann!

 

Auf hoher See!

Auf dem Hin- oder Rückweg fährt man noch an der Papageitaucher-Insel vorbei, wo man einige von ihnen beobachten kann. Hierfür benötigt man allerdings ein gutes Fernglas, denn ansonsten sind sie schlichtweg zu weit entfernt bzw. zu klein, um sie richtig erkennen zu können. Man hat einige Minuten Zeit, um die Papageitaucher zu beobachten, während der Guide etwas über sie erzählt. Beispielsweise, dass sie einen Großteil des Jahres auf dem offenen Meer verbringen und nur zum Brüten an Land kommen. Dort haben sie, neben ihrem festen Partner (Papageitaucher leben ihr ganzes Leben lang monogam) auch einen festen Brutplatz.

In der Whale-Watching-Area angekommen begann unsere Suche. Alle starrten angestrengt auf das offene Meer, in der Hoffnung, man sieht etwas. Manchmal so angestrengt, dass uns unsere Augen einen Streich spielten und es den einen oder anderen Fehlalarm zu vermelden gab. Das lief bei uns eine ganze Weile so ab, bis wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten. Dann erschienen plötzlich drei oder vier Delfine, welche unser Boot eine Weile begleiteten und in direkter Nähe einige Kunststücke vollführten. Einige Minuten kamen wir in den Genuss, dann waren sie aber schon wieder so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht sind. Und wieder suchten wir die Wasseroberfläche ab – dieses Mal allerdings ohne ein weiteres Erfolgserlebnis. Trotz intensivem Schauen und Suchen waren weder Delfine, geschweige denn Wale, irgendwo auszumachen.

 

Die Walgarantie

So machten wir uns nach einiger Zeit wieder auf den Rückweg. Meine Freundin und ich waren ziemlich enttäuscht. Unsere Idee war deshalb, am Nachmittag noch ein weiteres Mal hinaus zu fahren; die Zeit hatten wir schließlich. Wir wandten uns direkt an das Schiffspersonal. Obwohl wir bereit waren, den Ticketpreis erneut zu zahlen, stellte sich heraus, dass wir ausnahmsweise kostenlos nochmal mitfahren durften. Wir sollten am Nachmittag einfach wieder zum Boot kommen.

Wieso wir kostenlos ein weiteres Mal mitfahren durften, konnten wir im ersten Moment nicht nachvollziehen. Erst, als uns ein entsprechender Flyer in die Hand fiel, wurde es uns klar: nach einer erfolglosen Tour ohne Sichtungen bekommt man eine weitere Tour kostenlos. Da wir ja Delfine gesehen hatten, galt das Angebot eigentlich nicht für uns. Doch man machte für uns eine Ausnahme, da die Ausbeute bei unserer Fahrt doch etwas mager war. Dann war die Sache natürlich klar – nach einem Mittagessen und einer Ruhepause im Hotelzimmer machten wir uns erneut auf zum Alten Hafen. Diesmal zu Fuß.

 

Der zweite Versuch

Am Nachmittag wurde das Wetter schlechter, es kam Wind auf und das Meer war stürmisch. Auf dem Titanic-Deck wurde es zeitweise zu unruhig, man wurde ziemlich nass und man musste sich sehr gut festhalten. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir flüchteten wieder auf das Oberdeck, wo es ein bisschen ruhiger war.

Leider haben wir bei der zweiten Tour gar nichts gesehen – nicht einmal Delfine. Mehr als drei Stunden waren wir auf dem offenen Meer unterwegs. Unser Boot nahm bereits Kontakt zu anderen Whale-Watching-Booten auf, aber nichts. In der ganzen Bucht vor Reykjavík war kein Wal und kein Delfin auszumachen.

Die Erklärung der Meeresbiologin lautete: „Es gibt zwei bis drei Tage im Monat, an denen so etwas passiert. Es wird vermutet, dass das Futter der Wale weiter aus der Bucht ins offene Meer hinauszieht und die Wale die Bucht deshalb für ein paar Tage verlassen. Leider haben wir wohl einen dieser Tage erwischt.“

Auf der Rückfahrt nach Reykjavík setzten wir uns nach drinnen, da das Wetter so rau war. Wir schauten uns die Souvenirs an, setzten uns dann an einen Tisch und erwarteten dort die Rückkehr nach Reykjavík. Gott sei Dank hatte meine Freundin SuperPEP dabei (Kaugummis gegen Reise-Übelkeit, unter anderem Seekrankheit), da mir innerhalb kürzester Zeit unter Deck schlecht geworden ist.

Da diese Tour komplett erfolglos war, wurden sog. Goldene Tickets verteilt, welche die Passagiere dazu berechtigten, ein weiteres Mal kostenlos wieder zu kommen. Auch wir bekamen so ein Ticket, doch hatten wir keine Möglichkeit mehr, noch an einer weitere Fahrt teilzunehmen. Die Tickets berechtigen zu einer normalen Whale-Watching-Tour, wer allerdings im Winter wiederkommen will, kann es auch für die Polarlicht-Fahrten verwenden. Dieses Ticket liegt bei mir noch immer irgendwo in einer Schublade…

 

Lage & Anlegestelle

„Life of Whales“ befindet sich im Alten Hafen von Reykjavík und ist eigentlich ganz einfach zu finden. Von der Innenstadt kann man problemlos dort hin laufen (ca. zehn Gehminuten), allerdings wird auch ein Transfer angeboten, wenn man ein paar Euro mehr für das Ticket bezahlt. Das lohnt sich beispielsweise, wenn das Hotel, in dem man untergebracht ist, nicht so zentral liegt. Bei unserer ersten Tour haben wir den Transfer mitgebucht, weil wir nicht wussten, wie gut der Alte Hafen tatsächlich zu erreichen ist und ob wir die Anlegestelle von „Life of Whales“ auch gleich finden würden. Beim zweiten Mal sind wir die Strecke allerdings gelaufen, weil dann klar war, dass der Transfer absolut nicht nötig ist.

Mehr Infos direkt bei dem Anbieter Life of Whales.

 

Fazit

Nicht eine, nein, zwei Whale-Watching-Touren ohne Wale, an einem der Hotspots für Whale Watching weltweit? Das nennt man dann wohl außerordentliches Pech. Aber schließlich ist der Ozean kein Zoo. Da kann es schon mal passieren, dass die Tiere einfach nicht mitspielen. Der Organisation von „Life of Whales“ kann man das schlecht ankreiden.

***

Das sollte übrigens auch nicht mein einziger Fehlversuch bleiben. Zwar nicht mehr auf Island, dafür aber an einem weiteren Hotspots dieser Welt, sollte ich erneut ohne Erfolg auf dem offenen Meer herumschippern und nach Walen suchen. Eine Idee, wo das gewesen sein könnte? 

Hast du schon Wale gesehen? Wenn ja, wo und welche? Erzähl‘ mir doch von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Noch nicht genug von Island?

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