Ein Schatzkästchen im Norden – Senja, Norwegen

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Die Insel Senja

Die Insel Senja ist neben ihren großen Schwestern, den Lofoten und den Vesterålen, ein weiteres landschaftliches, allerdings noch kaum bekanntes Juwel Norwegens. Noch liegt der Fokus des internationalen Tourismus mehr auf der bekannten Inselgruppe der Lofoten. Auf Senja hingegen trifft man in der Hauptsaison zumeist auf Einheimische bzw. Touristen aus der näheren Umgebung.

Das heißt jedoch nicht, dass Senja weniger zu bieten hat als die Lofoten und die Vesterålen. Ganz im Gegenteil! Man findet spektakuläre Ausblicke von Bergen und auf Felsformationen, Seen, rauschende Wasserfälle, Fjorde und geheimnisvoll wirkende Wälder. Wanderern erschließen sich unzählige Routen überall verstreut auf der Insel in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Generell bietet Senja Aktiv-Urlaubern eine Menge Möglichkeiten vor einer beeindruckenden Kulisse. Im Gegensatz zu den Lofoten bietet Senja zudem eine Ruhe und Einsamkeit, selbst während der Hauptreisezeit, welche man auf den Lofoten nur noch bedingt finden kann. Senja ist wie ein kleines Schatzkästchen, das demjenigen, der es erschließt, die wunderschönsten Orte offenbaren kann.

 

Nasjonale turistveger – die Landschaftsroute auf Senja

In ganz Norwegen gibt es die sog. nasjonale turistveger, die Nationalen Landschaftsrouten, die landschaftliche Highlights gepaart mit Design und Architektur zu bieten haben. Insgesamt gibt es 18 solcher Straßen in Norwegen, die gemeinsam 1850 km lang sind. Diese Routen zeichnen sich nicht nur durch atemberaubende Natur aus, sondern wurden auch von verschiedenen norwegischen Architekten, Designern und Künstlern verschönert, um die Straßen und Wege zu etwas Einzigartigem zu machen. Die Werke der Architekten und Künstler können Aussichtspunkte sein, aber auch Rastplätze und Parkflächen. Sogar ein speziell konstruiertes Toilettenhäuschen reiht sich in diese Auflistung mit ein.

Eine dieser Landschaftsrouten befindet sich auch auf der Insel Senja. Diese verläuft von Botnhamn bis nach Gryllefjord, mit Abstechern nach Husøy und nach Medfjordvær. Auf rund 100 km fährt man an einigen der schönsten Fleckchen vorbei, die Senja zu bieten hat. Erweitert wird die Landschaftsroute auf Andøya, der nördlichsten Insel der Vesterålen-Gruppe. Die Fähre zwischen Gryllefjord und Andenes fährt aber nur im Sommer.

 

Bergsbotn

Eines der Highlights auf der Landschaftsroute Senjas liegt in Bergsbotn – oder besser gesagt weit oberhalb davon. Bergsbotn ist ein kleines Dorf im Bergsfjord, der von spektakulären Bergen umrahmt wird. Die Landschaftsstraße schlängelt sich, kommt man von Süden, einen dieser Berge hinab. Auf halber Strecke befindet sich eine 44m lange, wellenförmige Aussichtsplattform. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick über den Bergsfjord.

 

Ersfjordstranda

In Ersfjordstranda findet man einen der schönsten Strände Senjas. Umrandet wird der feine Sandstrand von hohen Bergformationen und lädt zum Verweilen ein. Als ich dort war, war an diesem Strand allerdings recht viel los. Viele Norweger hatten hier ihre Zelte aufgeschlagen und das schöne Wetter genossen. Da an diesem Wochenende angeblich das eine oder andere Konzert bzw. Festival stattfand, weiß ich nicht, ob das ein Ausnahmezustand war oder das im Sommer dort öfters so aussieht. Von der idyllischen Ruhe und Einsamkeit, die wir auf Senja sonst erfahren haben, war hier nicht viel zu spüren.

Neben dem Strand, auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Rastplatz mit einer etwas eigentümlichen Toilette. Die eckige Form mit der goldenen Fassade ist in jedem Fall einzigartig und wirkt fast ein bisschen wie von einer anderen Dimension.

 

Husøy

Husøy ist, wie der Name schon verrät („hus“ = Haus, „øy“ = Insel), eine kleine Insel im Øyfjord, die völlig zugebaut ist mit Häusern. Angeblich befindet sich auf diesem kleinen Eiland kein einziges Fleckchen Erde mehr, wo man ein neues Haus hätte hinbauen können. Warum ausgerechnet auf dieser Insel so viele Häuser gebaut wurden, weiß ich allerdings nicht.

 

Tungeneset

Eines DER Wahrzeichen Senjas und ein absolutes Muss für jeden Besucher ist Tungeneset. Dieser Designer-Rastplatz befindet sich zwischen Ersfjord und Steinfjord. Über einen hölzernen Weg mit ein paar Treppenstufen gelangt man zu einer flachen Felsformation. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf das zackige Bergmassiv Okshornan, die ein bisschen wie spitze Hörner oder Zähne aussehen. Schon allein von dem hölzernen Weg aus hat man eine gute Aussicht, man kann aber auch noch ein Stückchen weiter über die Felsen laufen.

Nicht nur diese genannten Hotspots auf der Landschaftsroute sind einen Stopp wert. Immer wieder bieten sich auf Senja Gelegenheiten, einen kurzen Fotostopp, eine längere Rast mit schöner Aussicht oder eine spontane Wanderung zu machen.

 

Ånderdalen Nasjonalpark

Der Ånderdalen Nasjonalpark befindet sich im Süd-Westen Senjas und ist mit dem Auto nicht passierbar. Man kann lediglich an der Grenze entlang fahren. Wer den einzigen Nationalpark am Nordmeer erkunden möchte, muss die Wanderstiefel schnüren und auf einem der zahlreichen Wanderwege in den Park hinein wandern.
Der Nationalpark mit einer Gesamtfläche von 124,86 km² bietet eine einsame Landschaft aus unberührter Natur. Verwunschene Wälder, Seen, Wasserläufe und Wasserfälle, Berge und Moore.

 

Wandern im Ånderdalen Nasjonalpark

Verschiedene Wanderwege führen in den Nationalpark hinein. Fährt man an der Westküste entlang des Nationalparks, befindet man sich stellenweise schon ganz nah an der Grenze. Hier haben wir, als wir in Richtung Flakstadvåg gefahren sind, schon von Weiten einem sehr großen, mächtigen Wasserfall in der Ferne gesehen. Spontan entschieden wir, trotz der späten Stunde (aber schließlich ist es im Juni 24 Stunden hell), uns diesen Wasserfall einmal genauer anzusehen. Wir stellten unser Auto ab, zogen unsere Wanderstiefel an und wanderten einen Waldpfad an einem Bach entlang, bis uns irgendwann ein Schild im Ånderdalen Nasjonalpark Willkommen hieß.

Der Wald hatte etwas an sich, was mich faszinierte. Vielleicht war es das Licht im Wald, oder auch die Stille, das ferne Rauschen des Wasserfalls und des Bachs. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Zauberwald unterwegs. Irgendwann wandelten wir nicht mehr auf einem Pfad, sondern direkt durch das Moor, wo allerlei Pflanzenarten wie Weidenkätzchen, Moose und Wollgräser wuchsen. Eine Stelle war etwas kompliziert, als wir über einen schmalen Wasserfall hinüber gelangen mussten, denn der Bach führte ziemlich viel Wasser. Dennoch, eine passende Stelle war bald gefunden und kurz darauf wurden wir durch den Anblick des tosenden Wasserfalls belohnt.

Theoretisch hätte man diesen Weg noch weiter laufen, den Wasserfall nach oben klettern und weiter in den Nationalpark hinein laufen können, doch dafür war es uns einfach schon zu spät – trotz strahlendem Sonnenschein war es immerhin schon fast halb elf. Auf dem Rückweg konnten wir noch eine Gruppe Rentiere beobachten, die sich von unserer Anwesenheit kaum beirren ließ. Insgesamt waren wir nicht lange unterwegs, vielleicht eine Stunde oder etwas mehr, aber es hat sich mehr als gelohnt.

Am nächsten Tag wollten mein Freund und ich noch ein bisschen mehr vom Nationalpark sehen. Wir fuhren an der anderen Seite, an der Südküste Senjas, entlang und hielten an zwei verschiedenen Stellen. An einer Stelle sind wir bloß einen Hügel hinauf gelaufen, um uns einen besseren Überblick über den Fjord und die Inseln in der Ferne zu verschaffen. Und das andere Mal hielten wir an einem Rastplatz, wo man in einem kleinen Restaurant Kaffee und Kuchen bekommen konnte. Direkt daneben befanden sich, wenn ich mich nicht täusche, Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen.

Hier startet ein weiterer Wanderweg hinein in den Ånderdalen Nationalpark. Der komplette Weg bis zu einem See im Nationalpark dauerte angeblich etwas mehr als drei Stunden, wir liefen aber wieder einmal nicht den ganzen Weg. Wir liefen wieder ein Stück durch den Wald, dann über Bretter durch ein Moor. An dieser Stelle sah der Nationalpark wieder völlig anders aus. Hier standen weniger Bäume und die Flora war definitiv eine andere, bei Weitem nicht so sattgrün wie in dem Bereich, in welchem wir am Vortag unterwegs waren. Dafür hatten wir stellenweise eine schöne und weite Aussicht auf den Park sowie Berge in der Ferne.

 

Hamn i Senja

Von Hamn i Senja erwartete ich, dass es sich um einen größeren Ort handele, aber Pustekuchen. Dort gibt es ein Hotel und ein Restaurant, wo wir an einem Tag zu Mittag gegessen haben. Ein paar Ferienchalets, welche auch zum Verkauf stehen, gab es auch, aber viel mehr war da nicht. Das Mittagessen dort war teuer (Norwegen eben!), aber in Ordnung.

Frisch gestärkt vom Essen fuhren wir zehn oder fünfzehn Minuten weiter nach Süden. Wir beschlossen, auf einem kleinen Parkplatz anzuhalten und einen Berg hoch zu steigen. Der Anstieg dauerte ca. eine dreiviertel Stunde bis Stunde und war eigentlich nicht besonders anstrengend, hätte man nicht wie ich einen vollen Magen gehabt. Dieser Umstand erschwerte meinen Aufstieg und erforderte mehrere Pausen. Dennoch, stolz wie Bolle kam ich letzten Endes zwar nicht ganz oben auf dem Gipfel, dafür am Gipfelbuch an, wo wir unsere Namen hineinschrieben. Geschafft!

 

Die Anreise

Je nach dem, von wo und mit welchem Verkehrsmittel man anreisen möchte, ergeben sich verschiedene Möglichkeiten.

Bei einer Fluganreise bieten sich die Flughäfen Tromsø oder Andenes an. Tromsø wird von Frankfurt aus teilweise direkt angeflogen, i. d. R. muss man aber in Oslo einmal umsteigen. Von Tromsø sind es mit dem Auto nach Senja etwa 2 bis 2,5 Stunden. Entweder man fährt über das Festland und Finnsnes, oder man nimmt im Sommer die Route über Kvartøya und von Brensholmen die Fähre nach Botnhamn im Norden Senjas. Diese fährt aber nur in den Sommermonaten.

Fliegt man Andenes auf den Vesteralen an, muss man mindestens einmal in Oslo umsteigen. Von Andenes aus kann man direkt mit der Fähre nach Gryllefjord im Westen der Insel fahren (Achtung, das geht nur im Sommer! Wenn die Fähre nicht geht, ist es ein ziemlich langer Umweg und nicht zu empfehlen).

Wir erreichten Senja mit dem Auto aus dem Süden. Hier kann ich die Straße 84 bis nach Sørreisa empfehlen, da diese landschaftlich mehr zu bieten hat als die E6. Der Weg verlängert sich dadurch nicht, bzw. wenn, dann kaum merklich. Wer Zeit hat und noch die Landschaftsroute auf den Vesterålen mitnehmen möchte, kann im Sommer auch einen Umweg über die Vesterålen nach Andøya fähren und ab Andenes wieder die Fähre nehmen.

Ist man mit den Hurtigruten unterwegs und möchte einen Stopp auf Senja einlegen, sollte man das Schiff in Finnsnes verlassen.

 

Übernachtung

Es gibt ein paar Übernachtungsmöglichkeiten auf Senja, diese sind allerdings recht rar gesät und zudem relativ hoch im Preis. Wir haben stattdessen in Finnsnes übernachtet. Ein Doppelzimmer im Finnsnes Hotel war verhältnismäßig günstig. Finnsnes liegt noch auf dem norwegischen Festland und ist durch eine Brücke mit Senja verbunden. Man ist also ruck zuck auf Senja. Schön ist Finnses zwar nicht, dafür gibt es ein paar mehr Restaurants und Supermärkte, von denen es auf Senja auch eher wenige gibt.

Jeden Morgen, bevor wir nach Senja fuhren, liefen wir die paar Schritte von unserem Hotel zum kleinen Hafen von Senja. Hier saßen wir bis 11 Uhr auf einer Bank am Wasser, genossen die Sonne und warteten. Jeden Morgen pünktlich um 11 hörten wir ein Schiffshorn und eines der Hurtigruten-Schiffe erschien direkt vor uns. Für mich als Touristiker war das ein Gänsehaut-Moment!

Für mehr Infos über die An- und Ablegezeiten der Hurtigruten-Schiffe in den einzelnen Häfen könnt ihr einen Blick auf den Hurtigruten-Fahrplan werfen.

 

Fazit

Die Insel Senja hat für Wanderer und Naturliebhaber so einiges zu bieten und muss sich ganz sicher nicht hinter den Lofoten verstecken. Zwar weniger berühmt, aber dennoch wunderschön und ruhig. Im Sommer lässt sich Senja super mit den Lofoten, den Vesterålen und Tromsø zu einer Rundreise verbinden. Definitiv sollte man sich diesen Ort auf einer Rundreise in Nordnorwegen nicht entgehen lassen!

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Warst du schon einmal in Nordnorwegen? Oder sogar auf Senja? Lass mir gerne einen Kommentar da!

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