Reiten mit Horse Riding Delights auf Mauritius

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Hoch zu Ross!

Von Le Morne fahren wir quer über die Insel in den Norden nach Grand Baie. Unser Ziel: das Mont Choisy Sugar Estate, ein großes Farmgelände, wo seit 2004 durch Horse Riding Delights geführte Reittouren angeboten werden. Der Guide von Horse Riding Delights ist ein ehemaliger Jockey, die zehn Pferde im Stall ehemalige Rennpferde, die heute „in Rente“ sind. Da die Touren in Le Morne so teuer sind und ich nur Positives im Internet über den Anbieter finden kann, nehmen wir den langen Anfahrtsweg in Kauf und versuchen, spontan an der zweiten Reittour am Nachmittag teilzunehmen. Diese soll um 15:00 Uhr beginnen.

Dank Navi finden wir den Hof schnell, wenn auch das Gelände nicht so aussieht, wie auf den Bildern im Internet. Wir fahren durch ein großes Eingangstor über eine unbefestigte Straße, links und rechts Baustellen. Offenbar sollen hier in naher oder ferner Zukunft Luxusappartments für Golfer entstehen. Wir glauben schon, dass wir falsch sind, da entdecken wir die Stallungen und einen Parkplatz. Kaum geparkt, kommt uns schon eine Dame entgegen, die uns fragt, was wir suchen. Sie bittet uns um einen Moment Geduld und ruft den Reitlehrer an, um zu fragen, ob wir an einer Reittour teilnehmen können. Wenige Minuten später steht er da und nimmt sich für uns spontan Zeit für einen privaten Ausritt. Der Preis bleibt mit 2100 Rs pro Person trotzdem derselbe.

Unsere Wertsachen müssen wir notgedrungen im Auto lassen. Da die Sonne ganz schön brennt, cremen wir uns noch mit Sonnenmilch ein und schon geht es los. Wir bekommen je einen Helm und müssen das Geld im Voraus in bar bezahlen. Während wir das tun, werden zwei Pferde gesattelt und für uns bereit gestellt.

Kurz darauf hilft uns einer der Angestellten in den Sattel der beiden Hengste. Schon als ich gefragt werde, ob meine Steigbügel die richtige Länge haben, werde ich leicht stutzig – da ich Anfänger bin und zuvor vielleicht zwei, dreimal geritten bin, weiß ich das nicht. Wir bekommen eine kurze Einführung, reiten einmal im Kreis und beginnen dann mit unserem Ausritt.

 

Da tritt mich doch das Pferd!

Bereits nach den ersten paar Metern beschleicht mich bezüglich meines Pferdes ein ungutes Gefühl. Ständig wirft er den Kopf zur Seite, als würde ihn etwas gewaltig stören. Vom Fressen lässt er sich kaum abhalten, doch das ist nichts Neues für mich. Da fehlt mir wohl einfach noch die nötige Erfahrung, um das zu unterbinden. Plötzlich fängt der Hengst aus heiterem Himmel an zu bocken und wirft mich fast ab. Ich schreie auf und versuche mich festzuhalten, um nicht aus dem Sattel zu fallen. Durch das Anziehen der Zügel lässt er sich zum Glück wieder beruhigen. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Was ist passiert, habe ich etwas falsch gemacht? Das Einzige, was ich von unserem Guide zu hören bekomme, sind Schuldzuweisungen: der Aufschrei machte den Hengst nervös. Gebockt hat er aber doch schon vorher…? Tipps, wie ich mich verhalten soll, bekomme ich keine. Erschrocken und gleichzeitig etwas beleidigt reite ich weiter.

Das Gebiet, wo wir reiten, ist flaches Ödland. Hier ist keine idyllisch grüne Landschaft, ich sehe keine Zuckerrohrfelder wie auf den Bildern im Internet. Von den Farmtieren und Rehen, welche wir während des Ausritts angeblich zu Gesicht bekommen würden, ist weit und breit auch keine Spur. Etwas entfernt sieht man nur die Straße und die Baustelle, welche nicht gerade einer schönen Szenerie entsprechen.

Ab und zu versuchen wir, kurze Stücke zu traben und jedes Mal habe ich Angst, vom Pferd zu fallen. Dieses Problem hatte ich bei vorherigen Ausritten noch nie und ich vermute, dass meine Steigbügel doch zu hoch hängen und ich daher nicht fest genug im Sattel sitze. Da ich mich jedoch nicht auskenne, kann ich das schwer beurteilen.

Gezwungen versucht der Reitlehrer, mit uns ein Gespräch zu führen. Auf unsere Fragen hin erzählt er etwas über seine Pferde. Pferde, die früher einmal Rennpferde waren und sich für diesen Sport heute nicht mehr eignen. Mein Hengst beispielsweise, so erfahre ich von ihm, leide an einer Schulterverletzung, die nicht mehr kuriert werden kann. Und ich frage mich: ist das wohl der Grund, wieso er mit dem Kopf ständig zur Seite einknickt?

Schon wieder fängt mein Pferd an zu bocken und will losrennen. Ich kann ihn mit angezogenen Zügeln gerade noch so stoppen. Ich solle die Zügel lockerer halten, sagt der Guide und das versuche ich. Noch zuvor war sein Rat, ich solle die Zügel straffer halten. Na, was denn nun? Doch eigentlich ist es egal, was ich tue: das Pferd ist nicht blöd und scheint zu spüren, dass es mir auf der Nase herum tanzen kann. Und ganz egal, was für Kommandos ich ihm gebe, er reagiert einfach nicht mehr darauf. Zügel locker, Zügel straff, dem Pferd mit der Ferse die Sporen geben oder nicht: mein Pferd trödelt, frisst auf dem Weg, bockt hin und wieder und beißt seinem Vordermann, dem Pferd des Reitlehrers, in den Arsch. Immerhin scheinen wir uns diesbezüglich einig zu sein! Letztendlich gebe ich auf und bleibe unbeteiligt wie ein Sack auf dem Pferd sitzen, lasse mich einfach nur tragen.

Auch das Pferd meines Freundes geht plötzlich durch, bäumt sich auf und fängt an zu Galloppieren. Zum Glück reagiert er für einen blutigen Anfänger sehr gut und bekommt das Pferd schnell wieder unter Kontrolle. Unser Reitlehrer ist voller Lob für ihn und ich frage mich derweil, was alles hätte passieren können. Ich wünsche mir, die Tour wäre endlich vorbei.

Nach einer guten Stunde sind endlich wieder die Stallungen in Sicht, wir haben es geschafft. Als man mir aus dem Sattel hilft, wird mir erst bewusst, wie furchtbar meine Knie schmerzen. Vermutlich waren die Steigbügel tatsächlich zu kurz. Die Kollektion aus blauen Flecken an meinen Beinen hat zudem völlig neue Dimensionen erreicht.

 

Ein Hengst zum Pferde stehlen?

Im Nachhinein ärgere ich mich über mich selbst, dass ich dem Guide nicht direkt gesagt habe, wie unwohl ich mich auf dem Pferd fühlte.

Vielleicht lag es tatsächlich an den Steigbügeln oder wir hätten die Tour mit anderen Pferden fortführen können. Aber davon einmal abgesehen, war auch der ganze Rest nicht das, was wir erwartet und erhofft haben. Die Beschreibungen auf der Homepage und einigen Online-Mauritius-Reiseführern, die Horse Riding Delights in den Himmel loben, stimmen mit der Realität nicht überein. Zumindest nicht mit den Erfahrungen, die wir im November 2017 gemacht haben.

Die Pferde, die man uns zugeteilt hat, waren garantiert nichts für Anfänger. Manche Situationen waren regelrecht gefährlich, was unseren Reitlehrer jedoch nur bedingt tangierte. Der Guide hat sich bemüht, sich mit uns zu unterhalten, brauchbare Tipps fürs Reiten waren aber Fehlanzeige. Die Tour selbst fand auf ödem, tristen Gelände statt und ist von der idyllisch grünen Landschaft meilenweit entfernt – ob das schon immer so war, kann ich schlecht beurteilen. Die Baustelle zum Beispiel war ja nicht immer schon da. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Umgebung nicht mehr so schön ist.

Jedenfalls hätten wir uns Zeit und Geld besser gespart und uns stattdessen lieber in das Getümmel von Port Louis begeben oder den Botanischen Garten von Pampelmousses besichtigen sollen – da hätten wir vermutlich mehr Positives mitnehmen können.

***

Der Hengst sieht doch schon ein bisschen crazy aus, oder? Und ich glaube, man sieht mir auch an, dass ich nur noch runter wollte… Eine wirklich gute Figur mache ich auf dem Pferd nicht. Der Helm fast über den Augen und sind meine Steigbügel nicht wirklich etwas zu hoch?

Du willst wissen, was ich auf Mauritius sonst noch erlebt habe?

Ich freue mich wie immer über Kommentare!

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