Von Pannen, Überfällen und Angola – Rundu, Namibia

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Die Wanderung im Waterberg Plateau National Park fiel leider ins Wasser, da uns unser Toyota Hilux einen Strich durch die Rechnung machte. Zwar hatten wir das Problem schnell erkannt, doch war die Lösung nicht ganz so einfach. Schließlich konnten wir die Tür unseres Autos nicht ständig offen lassen, nur, damit die Alarmanlage nicht los gehen würde.

Von Britz bekamen wir die Anweisung, den nächstgelegenen Toyota-Händler in Otjiwarongo aufzusuchen. Hierfür war zwar ein Umweg nötig, doch was anderes blieb uns nicht übrig. Also: gesagt, getan. Wir verließen das Waterberg Camp und fuhren zurück nach Otjiwarongo, in der Hoffnung, dass dort das Problem behoben werden könnte.

 

Beim Toyota-Händler in Otjiwarongo

Der Toyota-Händler war schnell gefunden und glücklicherweise nahm sich auch gleich einer der Mechatroniker unserem Problem an. Das war die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: um das Problem des Türsensors zu lokalisieren und zu beheben, würde es einige Stunden in Anspruch nehmen. Und diese Zeit hatten wir nicht. Gerade heute hatten wir noch eine ziemlich lange Fahrt nach Rundu vor uns.

Die Notlösung hingegen war zum Glück recht einfach: der Mechatroniker hängte unsere Hupe ab, sodass zumindest diese nicht mehr sofort Alarm schlagen konnte. Dann mussten wir zwar ohne Hupe weiterfahren, doch das nahmen wir in unserer misslichen Lage dankbar in Kauf!

 

Abenteuer Tankstelle

Erleichtert über die einfache Lösung unseres Problems fuhren wir ein paar Meter weiter zu der Tankstelle, die sich direkt neben dem Toyota-Händler befand. Dort wollten wir die Autos für die lange Strecke bis in den Norden Namibias noch einmal voll tanken.

Zu sechst, bzw. zu acht, wenn man das Personal der Tankstelle mitzählte, das unsere Autos tankte, standen wir um die Autos herum und wogen uns allein dadurch in Sicherheit. Das jedoch war ein großer Fehler!

Plötzlich hörte ich Geschrei und als ich mich umdrehte, sah ich noch, wie ein Mann von einem Polizisten verfolgt und angeschrien wurde. In der Hand hielt er einen Rucksack. Im ersten Moment war ich zu perplex, um die Situation zu verstehen und beobachtete nur. Bis es mir mit einem Mal klar war: dieser Mann hielt einen von unseren Rucksäcken in der Hand!

Der Mann blieb stehen, weil er ertappt worden war. Seine Kumpels, die in ein paar Metern Entfernung herum lungerten, beobachteten das Schauspiel, als säßen sie im Kino. Der Polizist schrie weiter auf den Mann ein und zückte schon seine Pistole. Wiederwillig und auf eine Art grinsend, als wäre er gerade beim Kartenspiel beim Schummeln erwischt worden, drückte er dem Polizisten unseren Rucksack in die Hand. Derweil putzte unser Tankwart unbeirrt weiter unsere Frontscheibe und als ich ihn fragte, ob das hier öfters geschehe, zuckte er bloß mit den Schultern und bejahte. Nach einer Standpauke, als wäre ein Schuljunge bei einem bösen Streich erwischt worden, trollte sich der Dieb und gesellte sich zu seinen Kumpanen – wahrscheinlich, um auf die nächsten, naiven Touristen zu warten.

Noch während unserer ganzen restlichen Fahrt bis nach Rundu grübelte ich darüber, was dort an der Tankstelle eigentlich geschehen war. Wir hatten wirklich Glück im Unglück und sind noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Doch immer wieder fragte ich mich, wo der Polizist so schnell her kam. Die ganze Szene wirkte inszeniert, wie ein Schauspiel. Doch da weder der Dieb, noch der Polizist etwas von einer solchen Inszenierung hatten, blieb mir nichts anderes übrig, als es als äußerst glücklichen Zufall anzusehen.

 

Tipps gegen Diebstahl

Nach diesem Zwischenfall verhielten wir uns an Tankstellen und ähnlichen Orten (z. B. auch bei Lebensmittelgeschäften) deutlich vorsichtiger. Das Auto offen zu lassen und darauf zu vertrauen, unsere pure Anwesenheit würde Diebe davon abhalten, an unser Auto zu gehen, war – kurz gesagt – dumm.

  • Auto abschließen. Von diesem Zeitpunkt an schlossen wir die Autos immer ab, wenn Menschen in der Nähe waren (auch bei kurzen Stopps).
  • Auto bewachen. Es blieb immer mindestens einer, eher zwei von uns bei den Autos. Bestenfalls auch einer im Auto, der die Wertsachen bei sich hatte (nicht einladend auf dem Rücksitz liegen lassen).
  • Alles wirklich abgeschlossen? Wir prüften zudem, ob alle Türen auch tatsächlich abgeschlossen waren – solche Banden verfügen manchmal über Transmitter, die verhindern können, dass sich das Auto ferngesteuert abschließen lässt.
  • Tankstellen mit zu vielen Leuten meiden. Und zu guter Letzt mieden wir in der Regel die Tankstellen, wo zu viele Leute herum lungerten.

 

Die Fahrt nach Rundu

Von Otjiwarongo aus fuhren wir weiter über die B1 und später über die B8 nach Norden, bis nach Rundu. Wir hatten durch den Umweg, den Besuch beim Toyota-Händler und den Vorfall an der Tankstelle einiges an Zeit verloren und noch eine lange Strecke zu fahren.

Als wir den Ort Grootfontein passierten, veränderte sich die Landschaft immer mehr. Wo es bisher noch ein wenig bergig war, wurde die Umgebung immer flacher. Wir fuhren an zahlreichen Dörfern aus Wellblechhütten vorbei. Die Menschen, die hier lebten, waren arm. Dennoch haben sie uns beim Vorbeifahren zugewunken, insbesondere die Kinder. Hier und da gab es Verkaufsstände entlang der Straße, wo die Dorfbewohner Selbstgemachte Souvenirs verkauften. Jedoch waren wir nach dem Vorfall an der Tankstelle ein wenig zurückhaltend, ja misstrauisch, und hielten nicht an – was ich heute schade finde.

Die Fahrt ab Otjiwarongo nach Rundu dauerte mit einigen Stopps fast fünf Stunden. Als wir die Stadt erreichten, war es bereits Nachmittag. Rundu selbst ist keine schöne Stadt und wirkte auf uns nicht gerade vertrauenerweckend und ansprechend, als wir unsere Unterkunft für die Nacht suchten. Je mehr wir herum fuhren, desto mehr fragte ich mich, ob ich mit der Unterkunft in Rundu vielleicht einen Griff ins Klo gemacht hatte.

Als wir unsere Lodge aber endlich fanden, stellten sich meine Sorgen jedoch als unbegründet heraus.

 

Die Tambuti Lodge

Die Tambuti Lodge liegt mitten in Rundu und direkt am Okavango-Fluss, von wo aus man nach Angola hinüberschauen kann. Die Nähe zur Stadt merkt man, sobald man sich in der Lodge befindet, kaum noch – wie in einer kleinen, abgeschotteten Oase.

Wir wurden mit einem Willkommensgetränk begrüßt. Bevor uns die Zimmer gezeigt wurden, mussten wir unser Abendessen vorbestellen. Die Tambuti Lodge benutzt fast ausschließlich Zutaten aus der Region, um lange Transportwege zu vermeiden und örtliche Anbieter zu unterstützen. So kam es dann auch, dass nicht alles aus der Menü-Karte vorrätig war und bestellt werden konnte. Was letzten Endes aber kein Problem für uns darstellte.

Die kleine Lodge ist schön angelegt und eingebettet in einer hübschen Gartenanlage. Die Zimmer verteilten sich auf einzelne, gemütliche Bungalows.  Wir hatten sogar das Glück, ein kostenloses Upgrade auf die Honeymoon-Suite zu bekommen.

 

An der Grenze zu Angola

Der Okavango- bzw. Cubango-Fluss entspringt im angolanischen Hochland. Von dort fließt er nach Süden und bildet schließlich den natürlichen Teil der Landesgrenze zwischen Namibia und Angola (auf der Landkarte ist das der „knittrige“ Part am Anfang des Caprivi-Streifens). Ab Mucusso verlässt er Angola, durchquert Namibia in der Sambesi-Region und endet letzten Endes in Botswana, im Okavango-Delta.

Um an den Fluss zu gelangen, muss man die Lodge durch das Eingangstor verlassen und ein paar wenige Schritte eine asphaltierte Straße entlang nach unten gehen. Wüsste man nicht, dass man sich unmittelbar an der Grenze zu Angola befindet, wirkt der Fluss eher unspektakulär. Wir beobachteten den Sonnenuntergang auf der angolanischen Seite und fragten uns, ob wir wohl auch eines Tages in diesem Land unterwegs sein würden. Wer weiß?

 

Fazit

Ganz so wie geplant ist der Tag mit Sicherheit nicht verlaufen. Keine Wanderung in Waterberg, ein Besuch beim Toyota-Händler, ein beinahe Diebstahl an einer Tankstelle und ein langer, langer Weg zu unserem Tagesziel. Nichtsdestotrotz kamen wir unserem Hauptziel Botswana damit immer näher. Und da letzten Endes nichts schlimmes passiert ist, bescherte uns der Tag nur noch mehr abenteuerliche Geschichten, die wir Zuhause unserer Familie und unseren Freunden erzählen konnten.

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Ein Kommentar zu „Von Pannen, Überfällen und Angola – Rundu, Namibia“

  1. Ja die Jungs und Mädels sind kreativ, um an Geld zu kommen. Da gehört leider auch Diebstahl dazu. Mir wurde noch nichts geklaut, aber hin und wieder versucht jemand schon mal einen über das Ohr zu hauen.
    Die gefährlichste Situation auf Reisen war bei mir wohl bisher ein fast Überfall in Madagaskar. Auf dem Rückweg aus dem Tsingy-Gebirge hatten Banditen eine Straßensperre aufgebaut. Unser Fahrer hielt kurz und holte unter dem Sitz eine Elektroshotgun hervor. Er meinte nur eine bewaffnete Gruppe Banditen hat eine Straßensperre aufgebaut und will uns überfallen. Ein Wagen vor uns sei aber gerade beim Aufbau noch durchgeschlüpft (Gott sei Dank nur unter Beschuss mit Steinen anstatt der Waffen). Wir sind letztendlich dann mit Polizeieskorte im Konvoi durchgekommen. Aufregend war es aber schon, vor allem, da diese Banditen angeblich am Vortag unseren Poolboy erschossen hatten, als er seine Rinder verteidigen wollte. In dieser Region in Madagaskar sind leider Banditen und gewaltsame Tierdiebstähle keine Seltenheit

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