Ein Fleckchen grün – Waterberg Plateau National Park, Namibia

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Obwohl die „Immanuel Wilderness Lodge“ nördlich von Windhoek eigentlich nur als Zwischenstopp für die erste Nacht gedacht war, haben wir uns dort sehr wohl gefühlt. Da war es schon ein bisschen schade, als wir am nächsten Morgen so früh aufbrachen. Das taten wir allerdings nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge: unser Abenteuer Roadtrip Namibia/Botswana sollte heute erst richtig los gehen! So packten wir all unsere Habseligkeiten wieder in die Autos und machten uns auf in Richtung Norden. Unser Tagesziel war der Waterberg Plateau National Park.

 

Die Anfahrt

Von der Immanuel Wilderness Lodge aus fuhren wir einige Zeit lang die B1 in Richtung Norden (Richtung Okahandja und Ojiwarongo). Okahandja passierten wir recht bald – wenn man noch tanken, Lebensmittel oder sonstige Dinge einkaufen möchte, sollte man das hier tun. Hier gibt es ein Einkaufszentrum, wo man alles Notwendige bekommen kann.

Man verfolgt die B1 noch ziemlich lange weiter, bis rechts eine abzweigende Straße, die C22, in Richtung Okakarara erscheint. Diese fährt man entlang, bis der Waterberg Plateau National Park ausgeschildert ist. Hier fährt man die Straße D2512 entlang. Achtung: diese Straße ist nicht geteert, es handelt sich um eine Sandpiste! Nach einer Weile ist das Waterberg Camp, wo wir die Nacht verbrachten, auf der linken Seite ausgeschildert.

Für die insgesamt 275 km haben wir ca. drei Stunden gebraucht.

 

Das Waterberg Plateau*

Das Waterberg Plateau sieht man schon von Weitem – was daran liegt, dass das 48 km lange und 8 bis 16 km breite Plateau in der ansonsten flachen Savanne der einzige freistehende Berg weit und breit ist. Ebenso fällt auf, dass die Landschaft grüner und grüner wird, je mehr man sich dem Waterberg Plateau nähert. Das liegt daran, dass in der Regenzeit die Wolken um den Berg „hängen“ bleiben und das Waterberg Plateau so den Niederschlag abfängt. Dadurch entsteht auch in der Trockenzeit eine verhältnismäßig grüne Landschaft, die inmitten der flachen, trockenen Savanne optisch heraus sticht.

Doch das Waterberg Plateau ist nicht nur von landschaftlichem Reiz. Es bietet auch eine einmalige Tierwelt. Unter anderem sind hier mittlerweile einige Antilopenarten wie die Pferde-, Rappen- und Elenantilopen heimisch, aber auch Giraffen und Büffel gibt es dort. Außerdem wurden sowohl Spitz- als auch Breitmaulnashörner hier angesiedelt.

 

Das Waterberg Camp

Bein Einfahren auf den Campingplatz des Waterberg Camps mussten wir unsere Buchungsbestätigung von NWR („Namibia Wildlife Resorts“) vorzeigen. Die Anzahlung hatten wir schon vorab per Kreditkarte getätigt und die Restzahlung erfolgte an der Rezeption. Neben der Gebühren für die Nutzung des Campingplatzes fallen Nationalpark-Gebühren von aktuell N$ 80 pro Person (umgerechnet ca. 5,50 €) und N$ 10 pro Fahrzeug (umgerechnet ca. 70 Cent) an. Die Zahlungsbestätigung, die man bekommt, muss man aufbehalten – diese muss man beim Verlassen des Campingplatzes wieder vorzeigen.

Nachdem die Formalitäten geklärt waren, durften wir uns einen Stellplatz im Camp selbst aussuchen. Wir wählten mit etwas Abstand zu den anderen Gästen einen schönen Platz und wurden sogleich von den Pavianen beäugt, wenn auch nicht belästigt. Das Waterberg Camp wird immer wieder von Pavianen besucht, die auch richtig frech werden können. Deshalb ist es ganz wichtig, nichts offen herumliegen zu lassen, erst recht keine Lebensmittel! Und auch Türen und Zelte sollte man immer richtig verschließen.

Das Waterberg Camp hat insgesamt 45 Campsites, die idyllisch am Fuße des Waterbergs gelegen sind. Um uns herum hatten wir Bäume und Büsche und wir hatten eine schöne Sicht auf das steinerne Relief des Waterberg Plateaus. Die sanitären Anlagen waren weitgehend sauber.

Viel Zeit für weitere Erkundungen hatten wir jedoch nicht, denn für den Nachmittag hatten wir uns bereits für einen Game Drive angemeldet. Also hieß es nach dem Aufbauen der Dachzelte umziehen, Rucksack umpacken und los!

 

Der Game Drive

Der Treffpunkt für die Abfahrt war um 16:00 Uhr an der Rezeption. Dort wurden wir mit einer handvoll anderen Gästen von zwei Guides in offenen Safari-Fahrzeugen abgeholt. Die Fahrt zum Tor des Nationalparks dauerte noch ca. 15 Minuten und von dort aus schlängelten wir uns auf einem engen Steg den Waterberg nach oben. Der Ausblick, der sich uns von oben bot, war atemberaubend schön – wir konnten nicht nur weit in die Ferne über die grüne Landschaft um den Waterberg herum sehen, sondern hatten noch einen schönen Ausblick auf Teile des Waterbergs selbst. Hierfür machte unser Guide einen kurzen Foto-Stopp für uns, bevor weitere Touristen kamen und wir den Aussichtspunkt wieder verlassen mussten.

Wir fuhren eine Weile querfeldein über das Plateau, bekamen aber erst einmal kaum ein Tier zu Gesicht. Ein paar Kudus konnten wir im Dickicht erkennen, diese nahmen aber sofort Reißaus, als wir auftauchten. Bald stellte sich heraus: der Game Drive im Waterberg Plateau Nationalpark war anders als die Game Drives, welche ich von Südafrika kannte. Die Tiere im Waterberg Plateau Nationalpark sind nämlich sehr scheu und es ist nicht einfach, sie im dichten Gebüsch zu entdecken.

 

Die Wasserlöcher

Das ist auch der Grund, warum wir letztendlich sehr wenig herum fuhren und unser Guide stattdessen zwei Wasserlöcher ansteuerte, an denen wir längere Zeit verweilten. Denn im Waterberg Plateau Nationalpark hat man eindeutig die besseren Chancen auf Tiersichtungen, wenn man genügend Geduld mitbringt. Selbst wenn an einem der Wasserlöcher einmal nichts zu sehen ist, lohnt es sich, zu warten. Viele der dort heimischen Tiere trauen sich nämlich erst nach einigen Minuten heraus, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist.

Die Wasserstellen sind künstlich angelegt und befinden sich auf einer flachen, offenen Ebene. Wir wurden in eine Art offenen Sichtschutzbunker gebracht, der uns freie Sicht auf die Tiere gewährte, uns aber gleichzeitig ein wenig vor den Tieren versteckte. Nichtsdestotrotz bekommen es die Tiere mit, wenn jemand sie von dort beobachtet. Sie verhalten sich entsprechend vorsichtig, drehen ihre Ohren zu uns und schauen unverwandt in unsere Richtung. Insbesondere bei den Giraffen war das der Fall.

Unsere Geduld wurde belohnt. Wir bekamen Giraffen zu Gesicht, die sich langsam an das Wasserloch heranwagten und sehr lange misstrauisch die Umgebung beäugten, bis sie sich trauten, zu Trinken. Eine einzelne Pferdeantilope ließ sich blicken. Außerdem hatten wir sehr viel Glück und konnten nicht nur ein Spitzmaulnashorn (engl. Black Rhino) sondern auch ein Breitmaulnashorn (engl. White Rhino) mit Nachwuchs an der Wasserstelle bewundern.

An der zweiten Wasserstelle entdeckten wir noch mehr Giraffen und eine Büffelherde. Auch die Büffel waren zum Teil sehr aufmerksam und starrten in unsere Richtung.

 

Selbst fahren oder geführt?

Im Waterberg Plateau Nationalpark ist es nicht erlaubt, auf eigene Faust herum zu fahren. Die Gründung des Nationalparks hatte das Ziel, die Flora und Fauna des Waterbergs zu schützen und weiter aufzupäppeln. Wer also mehr von dem Park sehen will, muss an einer Tour, geführt von einem Ranger, teilnehmen.

Das war für uns gar kein Problem – selbst zu fahren hat zwar sicher auch seinen Reiz, aber ich bin überzeugt davon, dass man von einer geführten Tour in vielerlei Hinsicht mehr hat. Insbesondere in einem Park wie diesem, wo die Tiere eher scheu sind und man durch das Dickicht der Büsche ohnehin nicht viel sieht, sind ein geschultes Auge und Fachwissen eindeutig von Vorteil.

 

Das Restaurant

Als wir vom Game Drive zurückkehrten, war es schon dunkel. Glücklicherweise hatten wir unsere Dachzelte schon vor Abfahrt aufgebaut. Wir hatten allerdings noch Hunger und gingen deshalb zum Restaurant des Camps, welches über einen gepflasterten Weg den Berg hinauf zu erreichen ist. Zu Fuß dauert es ca. zehn Minuten und wenn man sich schon fragt, ob man wirklich auf dem richtigen Weg ist, sieht man schon in der Ferne das Licht des Restaurants.

An diesem Abend wurde ein Braai veranstaltet, was es vermutlich sehr oft, wenn nicht sogar jeden Abend dort geben wird. Braai ist wie Barbecue bei den Amerikanern und Grillen bei uns – es gibt verschiedene Fleischsorten vom Grill und dazu Beilagen aus Kartoffeln, Pap (Maisbrei), Salaten und Soßen. Die Menschen im Südafrikanischen Raum lieben ihr Braai und ich kann mich an fast keinen Abend auf unserer ganzen Rundreise erinnern, an dem es kein gegrilltes Fleisch zum Abendessen gab.

Vom Vorabend waren wir mit dem Essen ein wenig verwöhnt worden, aber das Essen im Waterberg Camp war auch gut.

 

Unsere erste Nacht im Dachzelt

Müde und erschöpft schlüpften wir nach dem Abendessen in die Schlafsäcke in unseren Dachzelten. Für mich war es das erste Mal überhaupt, dass ich in einem Zelt draußen schlief – und das in Namibia, in einem Dachzelt und bei Temperaturen, die in der Trockenzeit auch mal unter die 0 Grad Celsius fallen können. Mit meinem warmen Schlafsack spürte ich von der Kälte draußen allerdings nicht viel und auch generell schlief ich deutlich besser, als erwartet – wäre da nicht diese eine Sache gewesen…

Ich war soeben am Wegdämmern, als mich ein furchtbarer Lärm äußerst unsanft aus dem Schlaf riss. Es war der Alarm eines Autos und ich war überzeugt davon, dass es, bei dieser Lautstärke, unser Auto sein musste. Mein Freund war jedoch anderer Meinung und als der Alarm nach ein paar Sekunden wieder aus war, versuchte ich, wieder einzuschlafen. So verschreckt wie ich war, dauerte das natürlich seine Zeit. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich weitgehend beruhigt und davon überzeugt hatte, dass der Alarm nicht wieder los gehen würde. Eine halbe Stunde später war ich gerade wieder am Einschlafen, als der Alarm erneut los ging – und diesmal war klar: es WAR tatsächlich unser Auto!

Zum Glück fanden wir schnell heraus, wo das Problem lag: der Sensor der Beifahrertür war kaputt. Die Tür war verschlossen, das Auto meldete aber immer wieder, dass die Tür noch geöffnet sei. Und deshalb ging immer wieder der Alarm mit Hupe los. Da wir Mitten in der Nacht nicht viel machen konnten, ließen wir die Tür gezwungenermaßen leicht geöffnet und das Auto gab den Rest der Nacht Ruhe.

 

Der nächste Morgen

Den hatten wir uns anders vorgestellt, denn eigentlich wollten wir nach dem Frühstück und vor der Weiterfahrt eine kleine Wanderung auf das Waterberg Plateau machen. Das Auto konnten wir in diesem Zustand aber natürlich nicht alleine lassen. So waren wir gezwungen, unseren Weg direkt fortzusetzen und einen Umweg über Ojiwarongo zum Toyota-Händler zu machen – und hofften einfach, dass dieser uns zeitnah mit unserem Problem würde helfen können.

 

Fazit

Der Waterberg Plateau Park ist ein wunderschönes Fleckchen Erde inmitten der kargen, trockenen Landschaft Namibias. Der Waterberg und die Landschaft drum herum sind wirklich sehenswert und auch wenn die Tiere sehr scheu sind, lohnt sich meiner Ansicht nach auch der Game Drive. Das Waterberg Camp ist zudem ein netter Campingplatz. Wenn du also in deiner Routenplanung noch etwas Luft hast, solltest du einen Abstecher zum Waterberg tatsächlich in Betracht ziehen!

***

Warst du schon einmal im Waterberg Plateau National Park? Welche Tiere hast du gesehen? Und hattest du schon einmal eine Autopanne im Südlichen Afrika?

 

Darf es noch etwas mehr Afrika sein? Dann schau doch mal bei den anderen Beiträgen zu meiner Namibia/Botswana-Selbstfahrer-Tour vorbei:

 

*Für diesen Abschnitt habe ich neben den Infos, welche ich vor Ort bekommen habe, den Reiseführer „Botswana – Okavango & Viktoriafälle“ vom Iwanowski’s Verlag (5. Auflage) als Informationsquelle verwendet (selbst gekauft).

Ein Kommentar zu „Ein Fleckchen grün – Waterberg Plateau National Park, Namibia“

  1. Leider habe ich im Waterberg Plateau Park keinen Game-Drive gemacht. Aber sieht so aus, als ob ich dass nochmal nachholen muss.
    Mit Geschichten über Autopannen könnte ich einige Seiten füllen. Zertrümmerte Heckscheibe, Reifenplatzer, Achsbruch am Anhänger,……Das gehört aber zum Abenteuer Afrika dazu und ohne wäre es irgendwie blöd-

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