Kirchen über Kirchen in Vilnius, Litauen

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Die Fahrt von Riga nach Vilnius dauerte wieder etwas mehr als vier Stunden. Dieses Mal gab es erst recht nichts zu sehen, da es schon kurz nach unserer Abfahrt dunkel wurde und es bereits Mitternacht war, als wir in der Litauischen Hauptstadt ankamen. Mit dem Taxi fuhren wir vom Busbahnhof zum Hotel Radisson Blu Lietuva, bezogen unser Zimmer im 13. Stock und wollten nur noch ins Bett.

 

 

Tag 1: Vilnius, die Dritte im Bunde

Viel vorbereitet haben wir uns auf unseren Aufenthalt in Vilnius nicht. Nach einem kurzen Blick in den Reiseführer erkundeten wir die Innenstadt einfach spontan, wie wir es mit Tallinn und Riga auch gehandhabt hatten. Das Radisson Blu Lietuva ist Teil der neuen Skyline von Vilnius. Um in die Altstadt zu gelangen, mussten wir erst die Wilnia, den Fluss durch Vilnius, überqueren und noch ca. 15 Minuten gehen.

Um die Stadt von oben zu sehen, eignet sich der Gediminas Turm hervorragend. Dorthin gingen wir zuerst. Dieser befindet sich auf dem Burgberg, von wo aus man einen Ausblick über die ganze Stadt hat. Sowohl die Altstadt als auch die neue Skyline sieht man von dort. Man kann zwar auch in den Gediminas Turm hinein, allerdings kostet das Eintritt und einen besseren Ausblick von dort oben hat man vermutlich nicht.

Wir liefen den Hügel wieder hinunter und es folgte ein Spaziergang quer durch die Stadt. In direkter Nähe des Gediminas Turms befindet sich der Kathedralenplatz mit der Stanislaus-Kathedrale und dem freistehenden Glockenturm. Neugierig, wie wir nunmal sind, sind wir die kleine Außentreppe am Glockenturm hochgelaufen und haben versucht, die dort befindliche Tür zu öffnen. Als wir schon aufgegeben hatten, weil sich die Tür von außen nicht öffnen ließ, öffnete uns plötzlich eine ältere Frau, fragte etwas was klang wie „Caritas?“ und sah uns erwartungsvoll an. Etwas verwirrt entschuldigten wir uns und ergriffen die Flucht.

Die nächste Sehenswürdigkeit, an welcher wir vorbei kamen, war die St. Anna- und Bernhardiner-Kirche. Die St. Anna-Kirche ist mit ihrer aufregenden Architektur eigentlich das Glanzstück der Stadt, so schön, dass Napoleon sie angeblich am Liebsten mit nach Frankreich genommen hätte.

Kirchen gibt es in Vilnius übrigens wie Sand am Meer. Während unseres Aufenthaltes in Vilnius sind wir an zahlreichen Kirchen vorbei gekommen – insbesondere in der Altstadt befindet sich beinahe hinter jeder Ecke eine.

Nachdem wir sämtliche Kirchen abgeklappert hatten, gingen wir zur Ausros gatve, der touristischen Hauptschlagader in Vilnius. Dort befindet sich ein Souvenirgeschäft neben dem anderen (die natürlich alle Bernsteinschmuck verkaufen, ist ja klar).

Am Ende der Ausros gatve gelangt man zum Tor der Morgenröte, dem einzigen noch erhaltenen Tor der alten Stadtmauer. Durch das Marienbild darauf ist das Tor heute ein begehrtes Pilgerziel für Gläubige.

Ein Programmpunkt, auf den ich mich in Vilnius besonders freute, war das Bernsteinmuseum. Laut unserem Reiseführer war das Bernsteinmuseum in Vilnius wesentlich kleiner als das in der Hafenstadt Klaipeda, allerdings mit einer guten Auswahl an Ausstellungsstücken und die Beschriftung sogar in deutscher Sprache. Natürlich erhofften wir uns auch, dort noch Bernsteinschmuck einkaufen zu können (als ob wir nicht schon genügend in Riga gekauft hätten).

So machten wir uns auf die Suche nach dem Museum und wurden auch schnell fündig. Der Eintritt war kostenlos, allerdings fanden wir auch direkt heraus, warum: das Museum bestand gerade einmal aus zwei kleinen Räumen und in einem davon ging der Lichtschalter nicht. Blieb also, im Prinzip, ein einziger kleiner Kellerraum. Da waren wir ein bisschen enttäuscht.

Den Abend ließen wir in der hoteleigenen Sky Bar ausklingen. Diese wird sogar in dem einen oder anderen Reiseführer erwähnt, da man von dort oben einen grandiosen Ausblick auf die Stadt hat. Insbesondere abends, wenn es schon dunkel ist, lohnt es sich dort hin zu kommen und die Stadt bei Nacht von oben anzusehen.

 

Tag 2: Nicht Draculas Schloss, aber trotzdem ziemlich cool: die Wasserburg Trakai

Von Vilnius hatten wir genug gesehen. Am zweiten Tag wollten wir deshalb einen Ausflug zur Wasserburg Trakai machen. Trakai ist die ehemalige Hauptstadt Litauens und ist, neben dem Berg der Kreuze, eines der beliebtesten Ausflugsziele im Land. Wer in Litauen ist, MUSS sich einfach die gotische Inselburg ansehen.

Nach Trakai gelangt man am besten mit dem Bus vom Busbahnhof aus. Von dort dauert es eine knappe halbe Stunde, dann ist man schon in der Stadt Trakai. Dort stiegen wir an einer völlig unscheinbaren Haltestelle aus. Im ersten Moment waren wir uns nicht einmal sicher, ob wir richtig ausgestiegen sind, ein Lageplan klärte uns jedoch schnell auf: die Burg Trakai befindet sich am anderen Ende der Stadt. Der Ort erstreckt sich auf einer großen Halbinsel, den man zu Fuß in ungefähr 20 Minuten erlaufen hat und erst dann kommt man zu den Brücken, welche auf die Insel führen, auf der die Burg Trakai steht.

Die kleine Stadt war wie ausgestorben. Kaum jemand war in der Stadt unterwegs, weder zu Fuß noch mit dem Auto. Natürlich ist Litauen im Winter nicht unbedingt ein Touristenmagnet, aber auch Einheimische waren so gut wie keine zu sehen. Ein bisschen gruselig war es schon, als wir durch den kleinen Ort liefen und nichts weiter als unsere eigenen Stimmen und Schritte hörten.

Der Weg zur Burg war jedoch nicht weit. Auch hier war weit und breit niemand – zumindest fast. In einiger Entfernung spazierte ein Hund über den zugefrorenen See. Das war es aber auch schon. Ansonsten hatten wir die Burg für uns alleine und das hatte definitiv etwas für sich. Der bewölkte Himmel, die eisige Luft und der zugefrorene See, indem sich die Inseln befinden, verliehen der Burg und ihrer Umgebung etwas mystisches, fast schon bedrohliches. Ich würde sogar so weit gehen, dass Trakai bei bewölktem, grauen Wetter mehr hermacht als bei strahlendem Sonnenschein, da die Fassade der Burg dann besonders heraus sticht. Ich fand die Kulisse einfach absolut faszinierend.

Wollte man das Innere der Burg sehen, musste man auch hier einen kleinen Eintritt von umgerechnet ca. 4 ,- € bezahlen. Dann kann man sich nahezu alle Räumlichkeiten der Burg von innen ansehen. In den einzelnen Räumen befanden sich zahlreiche Ausstellungsstücke und Schaukästen, natürlich mit vielen Hintergrundinformationen zur Burg. So zum Beispiel, dass die roten Steine, aus denen Trakai zum größten Teil gebaut ist, gar nicht zur ursprünglichen Burg gehören. Die eigentliche Burg wurde im 14. Jahrhundert nahezu komplett zerstört und mit den roten Steinen wurde sie so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut.

Im Innern der Burg ist man, wenn man sich Zeit lässt, bestimmt eine halbe bis ganze Stunde beschäftigt. Es gibt viel zu sehen, viel nachzulesen. Für diejenigen, die nicht schwindelfrei sind oder Platzangst haben, ist der vorgegebene Rundgang allerdings nichts. Es geht viele Treppenstufen hoch und runter, eine enge Wendeltreppe führt von ganz oben wieder nach ganz unten, wo selbst ich mich zusammenreißen musste, dort hinabzusteigen. Es war doch alles sehr eng und steil.

Nach unserem Rundgang schlenderten wir noch eine Weile durch die Gegend und brachen dann den Rückweg zum Bus an. Es war nicht nötig, die Buszeiten schon im Voraus herauszusuchen, da der Bus sehr regelmäßig fuhr. Wir mussten keine Viertelstunde warten, bis unser Bus wieder da war und wir nach Vilnius zurück fahren konnten.

 

Tag 3: Der Abschied vom Baltikum

Der letzte Tag unserer Reise war angebrochen. Nachdem wir ausgeschlafen waren, gefrühstückt und gepackt hatten, machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Die Bushaltestelle für den Trolleybus, den wir nehmen wollten, befand sich direkt hinter unserem Hotel und die Tickets hatten wir uns schon am Vortag gekauft.

So verließen wir das Baltikum. Aus der Luft sahen wir gerade noch so die Umrisse von Trakai und kurz darauf waren wir über den Wolken.

 

Meine Highlights

Die Kombination mit den drei Städten und drei Ausflugszielen in neun Tagen war perfekt. Sowohl was die zeitliche Einteilung angeht, als auch die Sehenswürdigkeiten vor Ort waren stimmig und ich würde es genau so wieder machen und weiterempfehlen.

Von den drei Städten (bzw. eigentlich vier, wenn man Helsinki dazu zählt) hat es mir in Tallinn am besten gefallen. Das mittelalterliche Stadtbild hat mich am meisten angesprochen. Im Anschluss kommt gleich Riga hinterher. Vilnius, die letzte im Bunde, wäre auch auf meiner Top-3-Liste als letzte aufgeführt, da ich es dort im Vergleich zu Tallinn und Riga eher langweilig empfand. Da helfen auch die ganzen Kirchen nichts.

Was die Ausflüge angeht, kann ich mich kaum entscheiden, da alle drei so unterschiedlich waren. Empfehlen kann ich auf jeden Fall alle drei. Müsste ich mich entscheiden, würde ich die Wasserburg Trakai wählen – die Burg, die Umgebung, die Atmosphäre – alles hat mir unglaublich gut gefallen und es sind zauberhafte Fotos entstanden.

Also, worauf wartest du noch? Ab ins Baltikum!

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Warst du schon einmal im Baltikum unterwegs? Hat dir die Wasserburg Trakai auch so gut gefallen wie mir? Erzähl doch mal in den Kommentaren!

Du willst wissen, was ich im Baltikum sonst noch erlebt habe? Dann kannst du hier weiterlesen:

Ein Kommentar zu „Kirchen über Kirchen in Vilnius, Litauen“

  1. Hey,
    Mir geht’s wie dir – das Baltikum ist herrlich und Tallinn hat mir da auch am besten gefallen und Trakai muss auf die To-Do-Liste, wenn man in Litauen unterwegs ist!

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