Ein bisschen Jugendstil in Riga, Lettland

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Unsere Weiterreise mit dem Bus von Ecolines nach Riga stand bevor. Bis es endlich los ging, besuchten wir noch ein letztes Mal das Café Bogapott, welches in Tallinn zu unserem Lieblings-Café geworden ist. Unser Gepäck konnten wir bis zu unserer Abreise im Hotel deponieren. Mit dem Taxi fuhren wir schließlich gegen Nachmittag zum zentralen Busbahnhof in Tallinn. Dieser befindet sich etwas außerhalb der Altstadt. Den Unterschied sieht man sofort: während im Zentrum der Stadt dafür gesorgt wurde, dass alles neu gemacht und schön aussieht, sind die Stadtteile außerhalb des Zentrums ziemlich heruntergekommen und hässlich.

 

 

Tag 1: Auf nach Riga

Unsere Tickets hatten wir bereits im Voraus über die Seite von Ecolines gebucht. Pünktlich kam der Bus, wir konnten unser Gepäck unten einladen und unsere Plätze einnehmen. Es herrschte freie Platzwahl, der Bus war aber auch nicht besonders voll.

Von dem Reisebus waren wir positiv überrascht. Er war recht groß und komfortabel. Wir hatten viel Beinfreiheit, die Sitze waren bequem und auch für unser Handgepäck hatten wir genügend Platz. So konnte man es gut vier Stunden aushalten.

Ungefähr um 13:30 Uhr sind wir schließlich losgefahren. Über eine nicht enden wollende Landstraße, welche beinahe ohne Abzweige stur geradeaus verlief, kamen wir der Grenze zu Lettland immer näher. Die Aussicht aus dem Busfenster war dabei nicht allzu spektakulär: lediglich Wälder und Wiesen zogen abwechselnd an uns vorbei. In der Nähe des Badeortes Pärnu (im Sommer angeblich DER Hot Spot, im März allerdings ziemlich trostlos und verlassen) führte die Straße an der Ostsee entlang und man konnte durch die Bäume ein paar Blicke auf die zugefrorene Küste werfen.

Gegen Abend um 18:00 Uhr sind wir am Busbahnhof in Riga angekommen. Der Busbahnhof liegt in der Nähe des Flusses Dauvaga, welcher durch ganz Riga verläuft. Direkt neben dem Busbahnhof befindet sich auch der normale Bahnhof. Dieser wird allerdings nur für kurze Strecken und den Güterverkehr benutzt. Glücklicherweise befand sich unser Hotel direkt um die Ecke, sodass wir nur durch eine Unterführung gehen mussten.

Unser Zimmer im Hotel Avalon war groß und gemütlich. Von unserem Fenster konnten wir den Bahnhof und die Akademie der Wissenschaften sehen. Letztere wird wegen ihres Aussehens auch Stalins Geburtstagstorte genannt. Wir luden unser Gepäck ab und liefen trotz einbrechender Dunkelheit auf einer ersten Erkundungstour durch die Stadt.

 

Tag 2: Ein Tag in Riga

Am nächsten Tag machten wir uns direkt nach dem Frühstück zu allererst in Richtung Oper auf. Die Lettische Nationaloper in Riga ist bekannt für ihre tollen Aufführungen und ihre günstigen Eintrittspreise. Wir hatten die Wahl zwischen „La Traviata“ und „Der Barbier von Sevilla“. Wir entschieden uns für Letzteres, da „La Traviata“ beinahe ausverkauft war und nur noch Stehplätze zu bekommen waren. Für „Der Barbier von Sevilla“ waren noch wenige Sitzplätze in der letzten Kategorie, in der hintersten Reihe verfügbar. Die Plätze kosteten uns damals gerade einmal 4 Lats, also 6,- € pro Person.

Die Karten für die Oper in der Tasche, ging es weiter durch die Altstadt in Richtung Freiheitsdenkmal. Dieses wird tagsüber bewacht, die Wachablösung kann man von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr zu jeder vollen Stunde beobachten. Direkt neben dem Freiheitsboulevard verläuft der Stadtkanal, die grüne Lunge von Riga, wo man entspannt entlang spazieren und die schöne Grünanlage um den Fluss genießen kann.

Riga lässt sich ohne Probleme zu Fuß erkunden, da die Innenstadt sehr überschaubar ist und sämtliche Sehenswürdigkeiten nah beieinander liegen. Ohne viel Stress kann man die Stadt gut an einem Tag besichtigen. So hatten wir schon bald den Pulverturm erreicht, der sich fast am anderen Ende der Altstadt befand. Dieser Pulverturm ist der einzige noch erhaltene von anfänglich 28 Stück. In seinem Innern befindet sich heute ein Teil des Kriegsmuseums.

Interessanter als das Kriegsmuseum war für uns jedoch ein Geschäft, welches wir unweit des Pulverturms entdeckt haben: Amber Line, ein Laden, der sich auf die Herstellung von Bernsteinschmuck spezialisiert hat. Bernsteinschmuck bekommt man im Baltikum eigentlich an jeder Ecke, allerdings oft teuer oder nicht gut verarbeitet – oder beides. Im „Amber Line“ bekommt man hochwertigen Bernsteinschmuck aus goldenem, grünem und milchigem Bernstein, meist in Silber oder Gold gefasst zu wirklich moderaten Preisen. Das Design ist teils einfach, teils verspielt, elegant bis hin zu außergewöhnlich. In Riga findet man zwar auch zahlreiche kleine Verkaufsstände, welche Bernsteinschmuck noch ein bisschen günstiger anbieten, allerdings bekommt man bei Weitem nicht so eine gute Qualität und so ein schönes Design wie in diesem Shop. Deshalb mein Tipp: wer in Tallinn, Riga und Vilnius unterwegs ist und Bernsteinschmuck kaufen möchte, der sollte sich diesen Laden merken. In den Souvenirshops in Tallinn und Vilnius zahlt man für schlechtere Qualität wesentlich mehr.

Weiter führte uns unser Weg vorbei am Schwedentor zur Petrikirche, der wichtigsten Kirche von Riga zu Zeiten des Mittelalters. Besonders sticht einem hier der außergewöhnliche Turm ins Auge, der nicht recht zum Rest der Basilika passen mag. Das liegt daran, dass der ursprüngliche gotische Turm zusammenstürzte und stattdessen ein neuer, spitz zulaufender Turm als Ersatz gebaut wurde. Auf diesen Turm kann man mit einem Lift hinauffahren und sich die Stadt von oben ansehen.

Ein weiterer Anlaufpunkt ist der Rigaer Dom, der bei unserem Besuch leider von oben bis unten mit Baugerüsten bedeckt war. Der Dom ist das größte Gotteshaus des Baltikums. Ein Highlight bei der Besichtigung ist die darin befindliche Orgel, welche früher die größte Orgel der Welt war und heute noch eine Menge Besucher mit ihren schönen Klängen in ihren Bann zieht. Wenn man Glück hat und es findet ein Orgelkonzert statt, während man in Riga ist, sollte man definitiv einen Blick riskieren.

Die Gildehäuser und das Katzenhaus sind ebenfalls einen Besuch wert. Zum Katzenhaus gibt es eine interessante Geschichte: aus Protest, weil der Hauseigentümer nicht in der Großen Gilde aufgenommen wurde, setzte dieser sich zwei Katzenfiguren aufs Dach, welche ihre Hinterteile den Gildehäusern direkt gegenüber zuwendeten. Daraufhin folgte eine langwierige Gerichtsverhandlung, welche letztendlich dazu führte, dass der Hauseigentümer gezwungen wurde, die Katzen wieder richtig herum zu drehen. Aufgrund dieser Geschichte findet man diese Katzen so ziemlich in jedem Souvenirladen, als Taschen, als Figuren, in Schneekugeln und auf T-Shirts.

Weiter ging unsere Tour zum Rigaer Schloss, welches auf den ersten Blick nicht wirklich wie ein solches aussieht. Eigentlich ist das Schloss eine ehemalige Burg, welche aber zu einem Schloss umfunktioniert wurde. Heute ist das Schloss die Residenz des Präsidenten der lettischen Republik. Teilweise kann man es besichtigen und es sind drei Museen in dem Gebäude untergebracht.

Während in Tallinn die „Drei Schwestern“ stehen, befindet sich in Riga das Pendant dazu: die Drei Brüder. Auch hierbei handelt es sich wieder um drei Gebäude nebeneinander, allerdings mit einer anderen Geschichte. Das Haus ganz rechts gilt als das älteste Wohnhaus der Stadt, was man ihm auch ansieht. Im Gegensatz zu den zwei anderen Gebäuden könnte man hier nämlich meinen, dass dieser „Bruder“ irgendwie durch einen One-Night-Stand entstanden sein muss, so sehr unterscheidet er sich von den beiden anderen. Das Haus in der Mitte ist beinahe genauso alt, die Fassade wurde aber später erneuert und das Haus links ist das neueste.

Wir schlenderten durch den Esplanade-Park zur Christi-Geburt-Kathedrale, einer russisch-orthodoxen und reich verzierten Kirche. Nicht weit von hier befinden sich die Jugenstilstraßen Elizabetes iela und Alberta iela. Riga ist bekannt als eine Stadt des Jugendstils, was insbesondere in diesen beiden Straßen sehr gut zur Geltung kommt. In diesen beiden Straßen befindet sich ein Gebäude im Jugendstil neben dem anderen.

Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir noch am Schwarzhäupterhaus vorbei, ein typisches Postkartenmotiv von Riga. Im Innern des Gebäudes befindet sich heute die Tourist-Info. Von dort aus sind wir zur Dauvaga gelaufen, an der wir bis zu unserem Hotel entlang laufen wollten – ist ja schließlich schöner, am Fluss entlang zu laufen, als an der mehrspurigen Straße. Eigentlich ja eine gute Idee – sollte man meinen. Denn wer rechnet schon damit, dass sich weit und breit plötzlich keine Fußgängerüberwege und keinerlei Unterführungen mehr befinden?
So schön es auch war, am Fluss entlang zu laufen, kamen wir in der Nähe unseres Hotels nicht auf die andere Straßenseite. Zwischen uns und dem Hotel Avalon befand sich eine sechsspurige Schnellstraße. Es schien uns nichts anderes übrig zu bleiben, als noch weiter zu laufen – und weiter, und weiter, und weiter… plötzlich hörte der Weg auf, wurde zu einem Trampelpfad und kurz darauf war auch dieser verschwunden.

Hier trafen wir auf einen jungen Mann (was auch immer dieser dort getrieben hat), der uns mit Händen und Füßen zu erklären versuchte, dass wir keine andere Möglichkeit hatten, als über die Straße zu rennen, wenn wir nicht den ganzen Weg wieder zurück laufen wollten. Hin und her gerissen wägten wir unsere Möglichkeiten ab und entschlossen uns tatsächlich für die Risikovariante: wir warteten ab, bis kein Auto mehr in unmittelbarer Nähe war und rannten wie vom Teufel persönlich verfolgt über die Straße. Eine Erfahrung, auf die man verzichten kann, auch wenn alles gut gegangen ist.

Nach einer kurzen Ruhepause ging es abends ein bisschen frisch gemacht und schick angezogen in die Oper. Und was soll ich sagen? Ein absolut tolles Ambiente in einer wunderschönen, passenden Location, eine schöne Opernvorführung und obwohl wir die hintersten Plätze in der günstigsten Kategorie gebucht hatten, haben wir einwandfrei alles sehen können. Ist man in Riga, ist auch ein Besuch in der Oper ein absolutes Muss!

 

Tag 2: By the Beach – Jurmala, Hot Spot der Reichen und Schönen

Leider war am nächsten Tag, als unser Ausflug nach Jurmala anstand, das Wetter nicht auf unserer Seite. Als wir am Morgen aus dem Fenster sahen, war der Himmel wolkenverhangen. Von dem strahlend blauen Himmel und Sonnenschein vom Vortag war nichts mehr zu sehen.

Nach Jurmala fuhr man nicht mit dem Bus, sondern mit dem Zug. Im Baltikum ist die Verteilung von Bahn- und Busanbindungen genau umgekehrt zu Deutschland. Während in Deutschland das Streckennetz für die Bahn besser und weiter ausgebaut ist als das Busnetz, fährt man im Baltikum die meisten Strecken eher mit komfortablen Reisebussen. Es gibt zwar auch Zugverbindungen, aber diese sind auf Fernstrecken und erst recht im internationalen Sektor kaum ausgebaut. Ganz im Gegenteil: der Zug, in den wir uns setzten, um nach Majori (einem Ort in Jurmala) zu gelangen, war schon ziemlich alt und heruntergekommen. Der Zug war während der Fahrt sehr laut und bei jedem Halt wurden wir fast von unseren Sitzen gerüttelt. Zudem ist es offenbar auch keine Seltenheit, dass irgendwelche Verkäufer kurz vor Abfahrt in den Zug einsteigen und den Insassen auf Russisch Klebstoff oder ähnlich interessante Dinge verkaufen wollen. Naja, letztendlich dauerte unsere Fahrt ja gerade einmal 25 Minuten, das kann man alles noch in Kauf nehmen.

Als wir aus Riga hinaus fuhren, fiel mir abermals auf, wie heruntergekommen die Vorstädte und Ortschaften außerhalb der Hauptstädte teilweise sind. Die meiste Zeit gibt es während der Zugfahrt nichts zu sehen, außer wirklich hässliche Vorstädte. Da die baltischen Staaten erst rund 20 Jahre unabhängig von der Sowjetunion sind, wundert das eigentlich nicht, aber man sieht hier deutlich, wohin offenbar das ganze Geld zum Wiederaufbau und Restaurierung hinfließt… denn den Zentren der Hauptstädten sieht man das wirklich nicht mehr an.

Erst ein bis zwei Stationen vor Majori verändert sich das Bild der Ortschaften wieder. Hier beginnt der Strandabschnitt von Jurmala und man sieht durch die Bäume schon die ersten Badeorte. Dass das hier „The Place to be“ für die High Society und die Schönen und Reichen Lettlands ist, ist nicht zu übersehen.

In Majori angekommen ist es nicht allzu schwer, das touristische Zentrum und den Strand zu finden. Wer die lange Einkaufsstraße entlanglaufen möchte, in der sich ein Souvenirladen an den nächsten reiht und es zahlreiche Restaurants gibt, der braucht vom Bahnhof aus nur über die Straße zu gehen. Zum Strand sind es gerade einmal fünf Gehminuten durch die Wohngegend, welche an sich schon absolut sehenswert ist und die Majori so schön macht. Hier steht ein wunderschönes Häuschen neben dem nächsten, im typisch baltischen Baustil. Manche Häuser sehen sogar aus wie kleine Schlösser.

Doch bevor wir uns der Einkaufsstraße und der Wohngegend widmeten, zog es uns zu allererst an den Strand. Und trotz Schmuddelwetter war dort sogar noch ein bisschen was los. Ein paar Leute gingen spazieren, eine Gruppe Jugendliche hat sogar am Strand Fußball gespielt.

Jurmala ist ein flach abfallender, feinsandiger Strand. Hätte man ins Wasser laufen wollen, hätte man erst einmal ein Stück weit laufen müssen, bis das Wasser bis zur Hüfte gereicht hätte. Da der Strand von Jurmala mit der Blauen Flagge ausgezeichnet wurde, kann ich mir auch gut vorstellen, dass im Sommer hier ziemlich was los ist.

Mit höchstens 5°C und plötzlichem Nieselregen war die Vorstellung, baden zu gehen, jedoch alles andere als verlockend. Bei diesem Wetter waren die Möwen und die Krähen am Strand die einzigen, die sich getraut haben, in der bitterkalten Ostsee zu baden. Doch das war mir herzlich egal. Auch bei schönem Wetter bin ich nicht gerade eine Badenixe. Ich finde das Meer faszinierend und anziehend, aber es reicht mir, es zu sehen und in meiner Nähe zu haben. Dann bin ich schon vollkommen zufrieden.

Nach einem kurzem Spaziergang am Strand entlang kehrten wir zurück zur Einkaufsstraße von Majori. Wer Souvenirs sucht, wird hier vielleicht fündig, ansonsten gibt es nicht allzu viel Interessantes. Gegen Mittag entschieden wir uns, nach Riga zurück zu fahren, dort etwas Essen zu gehen und den Tag gemütlich im Hotel ausklingen zu lassen. Der Nieselregen ging leider immer mehr in richtigen Regen über.

 

Tag 3: Von Lettland nach Litauen

Gefühlt waren wir kaum in Riga angekommen, stand unsere Weiterreise nach Litauen schon wieder unmittelbar bevor. Allerdings hatten wir erst einen sehr späten Bus gebucht, sodass wir noch fast einen ganzen Tag Zeit hatten. So hatten wir noch die Gelegenheit für ein paar letzte Erkundungen und Einkäufe im Amber Line, bevor wir die Stadt wieder verließen.

Zum Abschluss wollten wir noch auf die Halbinsel Kipsala. Diese ist nicht nur das Finanzzentrum der Stadt, sondern hat auch einen schönen kleinen Park mit alten Holzhäusern. Doch das Wetter machte uns leider einen Strich durch unsere Rechnung. So schön das Wetter an unserem ersten Tag in Riga auch war, war es nun leider ziemlich schlecht. Über Nacht wurde es bitterkalt und fing an, kräftig zu stürmen. Schon auf dem Hinweg zur Brücke merkten wir, wie stark es windete und als wir schließlich über die Brücke liefen, wurden wir durch die Orkanböen beinahe von der Brücke geweht. Völlig durchgefroren sind wir ins Hotel zurück gekehrt, um dort die Zeit bis zu unserer Abfahrt am Abend mit einem Kartenspiel totzuschlagen.

Kaum rückte unsere Abreise näher, schien sich das Wetter zu beruhigen. Kurz bevor wir in unseren Bus gestiegen sind, kam sogar die Sonne wieder raus. Typisch, oder?

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