Alle lieben Kim – „Kim und Struppi“ von Christian Eisert

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Es gibt wohl kaum ein Land auf dieser Welt, über das man heutzutage so wenig weiß wie über Nordkorea. Und es gibt wohl kaum ein Land auf der Welt, das ebenso bedrohlich wie paradox ist. Allgemein gibt es wohl kaum ein Land, das ist wie Nordkorea.

Das Buch „Kim und Struppi – Ferien in Nordkorea“ von Christian Eisert fiel mir zum ersten Mal in der Wohnung meiner besten Freundin in die Hände. Berichte über Länder und Reisen finde ich immer interessant (nicht zuletzt auch berufsbedingt), doch Nordkorea? Nordkorea ist… sagen wir mal: speziell. Darüber wusste ich noch sehr wenig, was es für mich umso interessanter machte. Nachdem ich ein wenig darin herum geblättert hatte, war mir klar, dass ich dieses Buch haben musste. Ich wollte unbedingt wissen, was Christian Eisert mir über dieses fast schon unheimliche Land mit dem wahnsinnigen Herrscher beibringen konnte.

 

Um was geht es?

Comedy-Coach Christian Eisert und die Journalistin Thanh Hoang kommen eines Abends auf eine wahnwitzige Idee: wieso nicht gemeinsam nach Nordkorea reisen und eine Regenbogenrutsche suchen? Klar, warum auch nicht!

Christians ehemalige Schule in der DDR lehrte ihn nicht nur, die ganzen Kims auseinander zu halten, sondern auch, dass irgendwo in Nordkorea eine große Regenbogenrutsche steht. Diese hat ihn als Kind so beeindruckt, dass er sich noch heute an sie erinnert. Und deren Existenz will er Thanh nicht nur beweisen, sie wollen sie auch gemeinsam finden!

Es gibt nur ein Problem: Nordkorea lässt keine Journalisten ins Land. Um das System auszutricksen, reist Thanh, gebürtige Vietnamesin, mit ihrem deutschen Reisepass und Namen ein. Auf keinen Fall darf heraus kommen, wer Thanh wirklich ist – ansonsten sind beide geliefert.

Über Abu Dhabi und Peking fliegen Christian und „Sandra“ also nach Pjöngyang. Dort werden die beiden schon von zwei Aufpassern, getarnt als Guide und Fahrer, erwartet. Während der Rundreise stellen die Guides sicher, dass Christian und Thanh nur das sehen, was sie sehen sollen; nur das fotografieren, was sie fotografieren sollen und nur das erfahren, was sie erfahren sollen. Dennoch bleiben Christian und Thanh die absurden Zustände im Land nicht verborgen und bei dem Versuch, diese zu dokumentieren, begeben sie sich immer wieder in Gefahr.

 

Und wie ist es so?

Auf den knapp mehr als 300 Seiten von „Kim und Struppi – Ferien in Nordkorea“ erzählt Christian Eisert auf eine unterhaltsame, manchmal lustige und manchmal auch ernste Weise von seinen Erlebnissen während seiner Reise durch Nordkorea. Angefangen mit einem Rückblick in seine Schulzeit, wo er das erste Mal von der Regenbogenrutsche erfährt, nimmt er seine Leser auf die Reise mit, lässt sie an seinen Gedanken und Sorgen teilhaben und beendet seine Erzählung erst, wenn er mit Thanh Nordkorea wieder verlässt. Ob sie die Regenbogenrutsche letztendlich finden…?

Zwischendrin versorgt Christian Eisert seine Leser immer wieder mit interessanten Fakten über Nordkorea. Diese baut er hier und da in den Erzählfluss mit ein. Er geht auf Alltagsthemen und Kuriositäten ein, aber schneidet natürlich auch viele geschichtliche und politische Themen an.

Es braucht ja schon eine ganze Portion Mut, um sich als Journalist nach Nordkorea einzuschmuggeln. Die Idee ist waghalsig, riskant und wenn etwas schief geht, dann richtig. Da kann auch schon ein kleiner Fauxpas dazu führen, dass man von der Bildfläche verschwindet. Einfach so. Wäre schließlich nicht das erste Mal.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang, wie unterschiedlich Christian und Thanh mit diesem Wissen und dem daraus resultierenden Unsicherheitsgefühl auf der Reise umgehen. Während Christian versucht, sich bedeckt zu halten, höflich alle Regeln zu befolgen und sämtliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um nicht (negativ) aufzufallen, scheint Thanh aktiv dagegen zu steuern. Sie provoziert, ist sarkastisch und lehnt sich mehr und mehr gegen die aufgestellten Regeln auf. Mit jedem Tag reagiert sie zickiger und rebellischer, bis es zwischen den beiden immer mehr kriselt.

Letztendlich wird aber klar, dass das schlicht Thanhs Reaktion auf den Druck und die Anspannung ist, die eine gefährliche Reise wie diese mit sich bringt. Beide gehen mit dieser Situation vollkommen anders um. Erst, als sie Nordkorea wieder verlassen, wird ihnen richtig bewusst, welcher Druck die ganze Zeit auf ihnen lastete.

 

Next Stop: Nordkorea?

Nordkorea ist für mich zwar ein Land, das eine gewisse abartige Neugier in mir weckt. Einfach aus dem Grund, weil es so anders ist als alle anderen Länder, weil es so verdammt merkwürdig und gleichzeitig bedrohlich und unberechenbar ist. Mit eigenen Augen muss ich Nordkorea jedoch nicht gesehen haben. Ich gehe auf Reisen ungern Risiken ein und mache mir über Belanglosigkeiten den lieben langen Tag schon genug Gedanken. Bei einer anstehenden Nordkorea-Reise könnte ich wohl bis zur Abreise und auch währenddessen keine Nacht mehr schlafen. Demnach kommt für mich eine Reise dorthin nicht in die Tüte.

Erschreckend ist, dass Christian und Thanh mit Sicherheit nur an der Oberfläche gekratzt haben. Die schrecklichen Dinge, welche im Land vor sich gehen, werden natürlich keinem Touristen gezeigt oder erklärt. Stattdessen wird eine heile Welt vorgegaukelt und unangenehme Fragen werden schlichtweg ignoriert. Ist das nicht eine schöne Statue von unserem Geliebten Führer?

Es ist nicht möglich, eine Reise nach Nordkorea auf eigene Faust zu planen und zu unternehmen. Nur sehr wenige Reiseveranstalter bieten Reisen nach Nordkorea überhaupt an und diese werden von der Regierung Nordkoreas geplant und überwacht. Es gibt ein vorgefertigtes Programm, welches sich jederzeit und ohne Angaben von Gründen ändern kann. Und dieses Programm wird von mindestens einem Guide und einem Fahrer strikt durchgeführt. Man wird permanent überwacht, es gibt strenge Regeln, was fotografiert werden darf und was nicht und man bekommt über Land und Leute nur das zu sehen und zu hören, was Nordkorea nach außen hin zeigen will. Das, was Christian und Thanh sowie sämtliche andere ausländische Touristen von Nordkorea sehen, ist nicht oder nur bedingt das authentische und wahre Nordkorea.

Also next Stop: Nordkorea? Definitiv nein.

 

Fazit

Ich habe das Buch verschlungen, weil ich gerne mehr über Nordkorea erfahren wollte. Christian Eisert hat mit „Kim und Struppi – Ferien in Nordkorea“ nicht nur ein unterhaltsames Buch geliefert, sondern auch viel Wissenswertes über dieses Land zusammengetragen und in sein Buch mit eingebaut. Er nimmt seine Leser förmlich mit auf die Reise durch Nordkorea – und das völlig gefahrlos vom heimischen Sofa aus! Das reicht mir hier ausnahmsweise.

***

Kennst du „Kim und Struppi – Ferien in Nordkorea“ von Christian Eisert schon? Würdest du dich nach Nordkorea wagen oder warst du sogar schon dort?

Weitere Infos und Links zum Buch:

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