Mittelalterliche Kulissen in Tallinn, Estland

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Perlen des Baltikums – eine Reise durch drei Länder

Wieso, weshalb, warum? Darum!

Wieso ausgerechnet das Baltikum? Vielleicht fragt sich das der eine oder andere von euch. Manch einer wird sich möglicherweise auch fragen, wo sich das Baltikum denn überhaupt befindet. Wie ich immer wieder einmal feststelle, ist das nicht jedem sofort ein Begriff. Als kleine Orientierungshilfe: zu den baltischen Staaten gehören die Länder Estland, Lettland und Litauen. Das Baltikum liegt nördlich von Polen und Belarus, südlich des finnischen Meerbusens, im Westen grenzen die drei Länder an die Ostsee und im Osten an Russland.

Nicht nur für einen Ausflug in die Natur, sondern auch für eine kombinierte Städtereise eignen sich die baltischen Staaten besonders gut. Insbesondere Letzteres ist der Grund, warum meine beste Freundin und ich uns damals im März 2012 für das Baltikum entschieden haben. Nur eine Stadt war uns zu wenig und es sollte etwas Besonderes sein – etwas nicht Alltägliches. Da hat es uns die Kombi aus diesen drei Städten mit den zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten angetan.

Das Gute: mit Fernbussen kommt man super easy und geldbeutelschonend von A nach B. Das Busnetz ist im Baltikum deutlich besser ausgebaut als die Zugstrecken. Zwischen Tallinn und Riga als auch zwischen Riga und Vilnius dauert die Busfahrt jeweils ca. 4,5 Stunden, Verbindungen gibt es mehrmals täglich und das zu einem sehr günstigen Preis. Je nach Wochentag kostet eine Fahrt ab fünf Euro. Die Fahrten haben wir ganz einfach online bei Ecolines vorgebucht, aber auch spontan ist es normalerweise kein Problem, an Tickets zu kommen. Jedenfalls nicht in einem Monat wie März.


Der Plan

Für unsere Reise durch das Baltikum hatten wir insgesamt zehn Tage Zeit. Unser Plan war daher folgender:

  • Flug mit Lufthansa von Frankfurt nach Tallinn
  • 3 Nächte in Tallinn (Hotel L’Ermitage)
  • Tagesausflug mit der Fähre nach Helsinki
  • Busfahrt mit Ecolines von Tallinn nach Riga
  • 3 Nächte in Riga (Hotel Avalon)
  • Tagesausflug nach Jurmala
  • Busfahrt mit Ecolines von Riga nach Vilnius
  • 3 Nächte in Vilnius (Hotel Radisson Blu Lietuva)
  • Tagesausflug zur Wasserburg Trakai
  • Rückflug mit Lufthansa von Vilnius nach Frankfurt

 

Die Preise

Den Flug bekamen wir (dank Nebensaison, in der sich einfach kaum ein Mensch für diese Länder interessiert) mit ca. 100,- € damals ziemlich günstig. Pro Busverbindung hatten wir ca. 15,- € pro Person bezahlt. Die Preise der Unterkünfte bewegte sich pro Person zwischen 80,- bis 110,- € für drei Nächte. Die Fähre mit Viking Line nach Helsinki und zurück kostete pro Person ca. 40,- €, inklusive Frühstück und Abendessen. Hier lohnt sich ein Vergleich mit der Tallink, die zwar nicht immer günstiger, aber mehrere Abfahrtszeiten hat als die Viking Line. Und die Tickets für Busse und Bahn innerhalb der Städte, nach Jurmala und nach Trakai waren nicht der Rede wert – das waren Kleinbeträge um die 10,- € pro Person.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis in den baltischen Staaten war wirklich super. Als wir dort waren, hatten Lettland und Litauen noch ihre Lats und Litas und der Wechselkurs war gut. Da mittlerweile aber beide Länder den Euro eingeführt haben, könnte sich das auch geändert haben. Ist immerhin schon sechs Jahre her…

 

Mittelalterliche Kulissen in Tallinn, Estland

Tag 1: Ankunft

Als wir Mitte März unsere Reise nach Tallinn starteten, war in Frankfurt bereits der Frühling eingezogen. In Estland war davon hingegen noch nichts zu sehen. Denn als wir zwei Stunden später am internationalen Flughafen von Tallinn landeten, konnten wir schon von der Luft aus sehen, dass das Land mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt war. Estland befand sich noch im Winterschlaf und konnte vom herannahenden Frühling wohl höchstens träumen.

Unser Hotel für die darauf folgenden drei Nächte war das L’Ermitage – ein schnuckeliges, kleines Hotel, nur einen Katzensprung von der Altstadt und den Sehenswürdigkeiten entfernt. Nach nur wenigen Schritten erreicht man den Domberg und in vielleicht zehn Gehminuten gelangt man schon in die Altstadt.

Um ins Zentrum zu gelangen, führte uns unser Weg jedes Mal über den Domberg. Immer vorbei am Langen Hermann, einem großen mittelalterlichen Turm der Burg von Tallinn. Diese Burg wurde im 18. Jahrhundert teilweise abgerissen, um dort das Schloss Toompea zu bauen, worin heute das estnische Parlament untergebracht ist. Direkt gegenüber befindet sich die wunderschöne russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, welche mit ihrer schönen Fassade und den Zwiebeltürmchen hoch über der Stadt thront. Vom Vorplatz der Kathedrale aus konnten wir schon die ersten Teile der sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer und den Turm Kiek in de Kök („Guck in die Küche“) sehen. Kiek in de Kök ist ein Kanonenturm, von dem aus man früher angeblich in die Küchen der Bürger schauen konnte und der heute einen Teil des Tallinner Stadtmuseums beherbergt.

Vom Domberg aus gibt es zwei alte Gassen, welche in die Altstadt führen: das sogenannte Kurze Bein und das Lange Bein. Das Kurze Bein war schon damals nur für Fußgänger gedacht und ist der kürzere Weg in die Altstadt. Das Lange Bein hingegen, bzw. die Pikk jalg, ist etwas länger und breiter als das Kurze Bein und konnte mit Kutschen befahren werden. Heutzutage werden beide Wege nur noch von Fußgängern benutzt.

Am Abend schlenderten wir durch die mittelalterlichen Gassen Tallinns, während es nach und nach dunkel wurde. Als wir am Rathausplatz mit dem spätgotischen Rathaus in seiner Mitte ankamen, war es schon dunkel. Am Rathausplatz befindet sich außerdem das wohl bekannteste, beliebteste und meistbesuchte Restaurant der ganzen Stadt: die Olde Hansa. Das in sämtlichen Reiseführern aufgeführte Restaurant ist ein mittelalterlich angehauchtes Lokal mit mittelalterlichen Speisen, gewandetem Personal und passender Musik. Die „Olde Hansa“ ist so beliebt, dass das Lokal auch unter der Woche abends bis zum Bersten voll ist. Manchmal stehen die Leute dort vor der Tür sogar Schlange, um noch einen Tisch zu bekommen. Das war nichts für uns, deshalb riskierten wir nur einen kurzen Blick hinein und suchten uns für unser Abendessen ein anderes Lokal.

Tag 2: Tallinn an einem Tag

Unsere erste Anlaufstation am nächsten Morgen war die Tourist-Info. Da wir am nächsten Tag einen Ausflug nach Helsinki planten, mussten wir irgendwo die Tickets für die Fähre herbekommen. Dafür wurden wir in ein nahegelegenes Reisebüro geschickt. Nach einiger Sucherei fanden wir das Reisebüro dann auch – was aber gar nicht so einfach war. An der Außenwand weist lediglich ein kleines Schild mit der Aufschrift „Travel Agency“ darauf hin, dass sich irgendwo im Innern des Gebäudes ein Reisebüro verstecken muss. Durch welche Tür wir dort hinein gelangen konnten, war auch nicht gerade offensichtlich. Plötzlich standen wir in einem Hinterhof, von wo wir durch zwei weiteren Türen und eine Treppe nach unten in ein Kellergewölbe gelangten. Dort, hinter einer weiteren Tür, fanden wir tatsächlich einen kleinen Büroraum vor. Die zwei Mitarbeiterinnen sahen irgendwie ein bisschen erstaunt aus, als wir zur Tür herein kamen – vermutlich verirrt sich wirklich nicht allzu oft jemand nach dort unten.

Es gibt zwei Reedereien, welche die Seestrecke zwischen Tallinn und Helsinki bedienen: die Tallink und die Viking Line. Mit der Tallink hätten wir zwar mehr Auswahl bei den Hin- und Rückfahrtszeiten gehabt, doch deren Terminal liegt recht weit von Helsinkis Innenstadt entfernt und die Fahrt ist zudem teurer als mit der Viking Line. Mit der Viking Line bekommt man für denselben Preis noch ein Frühstück und ein Abendessen mit dazu und das Terminal befindet sich mitten in der Stadt. Wir entschieden uns für Viking Line und zahlten knapp 40 Euro für ein Hin- und Rückfahrticket inklusive Verpflegung an Bord.

Anschließend konnte unsere Stadtbesichtigung weitergehen. Wir schlenderten die Pikk entlang, die längste Straße Tallinns, welche auch die meisten Sehenswürdigkeiten beherbergt. Sie ist die pulsierende Ader der Unterstadt und diente früher zum Handelsgütertransport vom Stadtzentrum zum Hafen.

Dort befinden sich die prächtigen Gildehäuser der Stadt, die barocke Heiliggeistkirche, welche eine der meistfotografierten Kirchen der Stadt ist und die Olaikirche, das Wahrzeichen Tallinns, welche mit ihrem 159m hohen Turm damals eines der höchsten Gebäude Europas war. Und nicht zu vergessen die Drei Schwestern, drei ähnlich aussehende, nebeneinander stehende Häuser, welche im 15. Jahrhundert gebaut wurden und das Pendant zu den „Drei Brüdern“ in Riga bilden. Heute befindet sich in ihrem Innern ein Luxushotel. Das Ende der Pikk bildet die Dicke Margarethe, ein Geschützturm aus dem 16. Jahrhundert. Dort ist heute das Museum für Seefahrt untergebracht.

Wir liefen wieder zurück ins Zentrum und in die Katariina Käik, einer kleinen Gasse voller Kunsthandwerksläden, wo man hochwertige Töpfer- und Glasbläserwaren, Filzprodukte und Bernsteinschmuck kaufen kann. Und auch die Katariina Käik selbst ist eine kleine Sehenswürdigkeit: das verwinkelte kleine Gässchen wird von mehreren Torbögen überdacht, welche das Überbleibsel eines alten Gildehauses sind.

Am anderen Ende der Katariina Käik beginnt der Wollmarkt. Dort werden Handschuhe, Schals, Pullover und andere Kleidungsstücke aus Wolle in skandinavischen Mustern verkauft. Der Wollmarkt hat jeden Tag geöffnet und man bekommt die Waren zu moderaten Preisen. Die Handschuhe, welche ich mir dort gekauft habe, leisten mir noch immer gute Dienste, wenn wir im Schwarzwald mal wieder richtig kaltes Schmuddelwetter haben!

Nachdem wir beinahe den ganzen Tag unterwegs waren, haben wir uns eine kleine Verschnaufpause verdient. Wir strandeten im Café Bogapott, einem süßen kleinen Café in der Pikk jalg. Das Besondere: das Café ist in die alte Stadtmauer integriert. Serviert werden selbstgemachte Kuchen und Sandwiches, Kaffee, Tee und Säfte zu sehr günstigen Preisen. Dieses Café wurde unser Lieblingscafé in Tallinn.

Da wir uns schon fast wieder auf dem Domberg befanden, beschlossen wir, uns noch die Oberstadt ein wenig genauer anzusehen. Dabei kamen wir an der spätgotischen Domkirche vorbei, eine der ältesten Kirchen Estlands. Auf dem Domberg befinden sich insgesamt vier Aussichtsterassen, von wo aus man einen hervorragenden Blick über die Altstadt Tallinns bis hin zum Hafen und der Ostsee hat. Auch an unserem letzten Abend in Tallinn kamen wir noch einmal dort hin, um die Stadt bei Nacht von oben zu betrachten.

So schnell ging unsere Zeit in der estnischen Hauptstadt vorbei. Denn am nächsten Morgen sollte es schon nach Helsinki gehen, wo wir den ganzen Tag verbringen würden und am darauf folgenden Tag stand unsere Weiterreise mit dem Fernbus nach Riga an.

 

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Warst du schon einmal in Tallinn? Was hast du in Estland sonst unternommen? Und welche Jahreszeit hast du für deinen Aufenthalt gewählt? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Du willst wissen, was ich im Baltikum sonst noch erlebt habe? Dann kannst du hier weiterlesen:

 

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